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62. Gildeabend Kaufleute schließen Frieden mit dem OB

Thorsten Kuchta

Oldenburg - Das war so nicht zu erwarten: Das Verhältnis zwischen der Gesellschaft Union, dem wichtigsten Zusammenschluss der Kaufleute in der Stadt, und Gerd Schwandner hat sich auf der Zielgeraden der Oberbürgermeister-Amtszeit deutlich entspannt. Hatte der damalige Unions-Vorsitzende Jörg Howaldt auf dem Gildeabend 2007 noch eine Brandrede gegen den OB-Import gehalten (wegen des Kurswechsels in Sachen ECE), bescheinigte der aktuelle Vorsitzende Ulrich Mann Schwandner am Montagabend beim 62. Gildeabend eine „Weiße Weste“ – und das, so Mann, dürfe man mit Ausrufezeichen sagen.

Politik bleibt im Visier

Also eitel Sonnenschein zwischen Kaufleuten und Rathaus? Nein – denn da sitzen ja auch noch die Fraktionen. Und deren Verkehrskonzept – das maßgeblich vom Bauressort mitgestaltet wurde – sorgt bei den Kaufleuten wegen Einschränkungen für den Autoverkehr für Ärger. Das machte Mann nicht nur in seiner Rede deutlich (NWZ  berichtete), das sorgte auch unter den 440 Gästen für erregte Diskussionen.

Zuvor hatte Mann zur Begrüßung der Gäste eine Generalkritik an der Gesellschaft serviert. Er geißelte Ich-Bezogenheit und Werteverfall sowie aus seiner Sicht unangemessene Eingriffe des Staates in unternehmerische Freiheiten. Er vermisse grundsätzlich Werte und Respekt, was er auch an zwei Oldenburger Beispielen verdeutlichte. Dass die rot-grüne Landesregierung ein Forschungsprojekt am Oldenburger Institut für ökonomische Bildung (IÖB) gekürzt habe, stehe in Zusammenhang damit, dass das Wissen von Unternehmern in der Schule kaum gefragt sei.

Und: Bei der Hausbesetzung am Theaterwall hätte Mann sich deutlichere Worte gegen den offensichtlichen Rechtsbruch gewünscht – nur die Polizei sei dem Hausbesitzer und Unternehmer zur Seite gesprungen. Mann weiter: „Dass die Damen und Herren Hausbesetzer ihr neues Heim ,Haus Friedensbruch’ nennen, ist für mich Zynismus pur.“

Wie Oldenburg tickt

Eine Sicht von außen auf Oldenburger Befindlichkeiten bot nach dem Grünkohl Comedian Dietmar Wischmeyer, der als „Günther, der Treckerfahrer“ einiges über Stadt und Bewohner zu sagen hatte. Die würden mit dem Fahrrad zum Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst fahren und sich auf dem Pferdemarkt „Rucola aus Bodenhaltung“ kaufen. Irgendwann würde aber selbst ihnen dämmern, dass die Stadt allein davon nicht leben könne und die „Eingeborenen aus den Reservaten des Umlands“ als Kunden brauche.


Am liebsten wäre es den Oldenburgern, die müssten ihre Autos vor dem Autobahnring verschrotten, mit dem Bus in die Stadt fahren und für den Rückweg zwangsweise Elektroautos kaufen. Wer’s nicht begreife, müsse auf eigens angelegten Pilgerradwegen für seine ökologischen Sünden büßen, sagte Wischmeyer – und der Saal tobte.

Dann ging’s an die Eisenbahn. Eigentlich finden die Oldenburger die Bahn aus ökologischen Gründen gut, diagnostizierte Wischmeyer – aber sie fahre leider durch Oldenburg, was schon deswegen nicht zu verstehen sei, weil der Oldenburger nirgendwo hin wolle.

Wenn dann per Bahn auch noch ökologisch unkorrekte T-Shirts aus China vom Jade-Weser-Port aus durch die Stadt rollen, „dann sei mit der Freundschaft endgültig Schluss“.

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