Oldenburg - Wenn der Mieter nicht zahlt, wird irgendwann zwangsgeräumt. Immer häufiger landen Familien auf der Straße. Um obdachlosen Menschen ein Dach über dem Kopf zu bieten, unterhält die Stadt die Unterkünfte am Sandweg. Noch reichen die Kapazitäten für eine kurzfristige Unterbringung von obdachlosen Familien aus. Erste Stadträtin Silke Meyn vermutet aber, dass sich mittelfristig das Erfordernis zusätzlicher Kapazitäten ergeben könnte.
Ihre Einschätzung macht sie an der Zunahme von Zwangsräumungen fest.
Im Vorjahr erfuhr die Stadt von 98 Zwangsräumungen. Dies entspricht einer Zunahme um zwölf Prozent gegenüber 2011. Überdies haben es Familien, die nach einer Zwangsräumung in der Notunterkunft aufgenommen wurden, schwer, auf dem freien Markt eine Mietwohnung zu finden.
Die Stadt verfügt am Sandweg über zwei Einrichtungen: eine Gemeinschaftsunterkunft mit 40 Schlafplätzen für Einzelpersonen und ein Gebäude mit zehn Kleinstwohnungen für Familien.
Von den 40 Einzelplätzen waren 2012 durchschnittlich 15 belegt. Im diesem April war die Belegung doppelt so hoch.
„Die Auslastung hat wieder zugenommen“, weiß Hausmeisterin Sandra Lüers, die mit zwei Kollegen in dem Heim arbeitet. Die meisten Nutzer kämen täglich. Das Altersspektrum reicht von 21 bis 74 Jahren. Geöffnet hat das Heim von 17 bis 22 Uhr, danach herrscht Nachtruhe. Spätestens um 9 Uhr müssen die Betten geräumt sein. „Einige lassen ihre persönlichen Sachen zurück, da sie abends wiederkommen. Wertsachen können eingeschlossen werden“, erklärt Ordnungsamtsleiter Ralph Wilken.
Dass die Auslastung nicht noch höher liegt, führt Heinz- Hermann Buse, Leiter des Diakonischen Werkes Oldenburg-Stadt (Träger des Tagesaufenthalts an der Ehnernstraße), auf die geringe Attraktivität des Heims zurück. Überdies können Obdachlose ihre Hunde nicht mitbringen, weil es keine Zwinger gibt.
Zu fast 90 Prozent war im Vorjahr die Unterkunft mit den zehn unmöblierten Kleinstwohnungen (25 bis 33 Quadratmeter groß) ausgelastet. Drei bis sechs Monate dürfen obdachlose Familien hier wohnen. Aktuell sind drei Wohnungen frei.
„An der hohen Belegung zeigt sich der Druck auf dem Wohnungsmarkt. Jahrelang war diese Unterkunft fast gar nicht frequentiert“, sagt Buse. Auch er sieht die Notwendigkeit, zusätzliche Kapazitäten zu schaffen. Dies könne auch durch spezielle Vereinbarungen mit Wohnungsbaugesellschaften geschehen.
Buse schätzt, dass in Oldenburg etwa 500 Menschen von akuter Wohnungsnot bedroht sind. Auf der Straße lebten etwa 50 bis 80 Menschen.
