KAYHAUSERFELD - Drinnen dudelt das Radio vor sich hin, draußen rumpelt der Zug in Richtung Bad Zwischenahn vorbei. Ansonsten geht es ziemlich ruhig zu an diesem Vormittag in der Landmaschinenwerkstatt von Jürgen Kreye in Kayhauserfeld. Geredet wir hier während der Arbeitszeit eher wenig. Es gibt genug zu tun, die Auftragsbücher sind gut gefüllt.

Selbst Hand anlegen

„Gib´ mir mal bitte den Neuner“ – Den was bitte?, denke ich mir insgeheim und stehe ein wenig verdattert vor der mit Schraubern jeglicher Art prall gefüllten Werkzeugkiste von Tim Hayen. Drei Stunden lang darf ich dem Landmaschinenmechaniker bei seiner Arbeit über die Schulter schauen. Versuchsweise darf ich sogar selbst Hand anlegen an den roten Shibaura, einen Traktor japanischen Fabrikats. Mein stadtkindliches Unwissen in Sachen Landmaschinen kann ich dabei leider kaum verbergen.

Auf dem Betriebsgelände direkt an den Bahnschienen befinden sich neben zwei Werkstätten für eine breite Palette an Landmaschinen – von Rasenmähern aus Privathaushalten bis hin zu gewerblichen Maschinen zum Beschnitt von Thuja und Buxus – auch zwei gut sortierte Ersatzteillager. Von hier aus werden Kunden im gesamten Nordwesten bedient. Selbst Kundschaft aus Schleswig-Holstein und Süddeutschland weiß die Kenntnisse von Jürgen Kreye und seinen Mitarbeitern zu schätzen. Einige schauen sogar regelmäßig zur Pflanzsaison in seinem Geschäft vorbei.

Öl an den Fingern


„Das könnte jetzt gleich ganz schön spritzen“, warnt Tim Hayen mich, bevor ich die Schrauben zum Motorölwechsel löse. Nochmal gut gegangen, lief alles ganz langsam in die Ölwanne ab. Natürlich rinnt trotzdem jede Menge Öl an meinen Fingern entlang, aber das stört mich an diesem Vormittag herzlich wenig, mit Schmiere an den Fingern geht‘s eben besser.

Frauen, nein, bisher hätte in der Landmaschinenwerkstatt keine gearbeitet, nur im Büro. Dort ist seit Oktober die erste Auszubildende zur Kauffrau im Groß- und Einzelhandel beschäftigt. Fünfzehn Mitarbeiter sind insgesamt im Betrieb von Jürgen Kreye tätig, Tim Hayen gehört von Beginn im Jahr 1991 an dazu.

„So, jetzt ist der Ölfilter dran“. Nun gut, den habe ich noch relativ schnell abdrehen können und einen neuen drangedreht. Den Ölstand zu überprüfen gehört ebenfalls zu den leichteren Übungen, das funktioniert nämlich ähnlich wie bei meinem Auto.

Tatkräftige Unterstützung

Dann geht es an die Blinker des Treckers. „Den Aufsatz und die Fassung bitte einmal abschrauben“, sagt Hayen. Ich versuche, die ziemlich fest gezogenen Schrauben zu lösen, stets unter Beobachtung des Mechanikers. Und, zugegeben, nicht ganz ohne dessen tatkräftige Unterstützung. Wenig später funktionieren die Blinklichter wieder einwandfrei. Jetzt wird noch die Hydraulikanlage einer genauen Inspektion unterzogen. Auch hier lässt mich Tim Hayen nicht im Stich und greift mir beim Abdrehen und wieder Andrehen der Schläuche unter die Arme.

Es ist Punkt 12 Uhr – für die Landmaschinenmechaniker Zeit für die halbstündige Mittagspause. Für mich bedeutet es Hände schrubben und Abschied nehmen. Und wenn mir auf der Landstraße der nächste Traktor begegnet, dann weiß auch ich nun, wofür ich den Neuner gebrauchen kann.

In dieser Serie tauschen NWZ -Mitarbeiter für begrenzte Zeit die Seiten und werden zu Akteuren.