Hannover - Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) lässt am Ehrgeiz seiner Landesregierung keinen Zweifel aufkommen. „Wir wollen allen jungen Leuten in Niedersachsen entweder eine gute berufliche Perspektive oder die Möglichkeit bieten, zu weiterführenden Einrichtungen zu wechseln“, formuliert Weil das überragende Ziel des „Bündnis duale Berufsausbildung“ mit Arbeitgebern, Gewerkschaften, Sozialverbänden, Handwerk, Arbeitsagentur und Kommunen an Bord. Weil betont besonders das Wort „alle“. Oder wie Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) sagt: „Keiner darf zurückbleiben.“

Eine ambitionierte Aufgabe: Derzeit befinden sich rund 400.000 junge Leute in allerlei „Übergangsmaßnahmen“ zwischen Schule und möglicher Berufsausbildung. Mit einem ganzen Baukasten von Maßnahmen sollen diese Hängepartien erfolgreich verkürzt werden. Dazu zählt die Einrichtung von „Jugendberufsagenturen“ wie in Hamburg. Dort kümmern sich Spezialisten um die junge Klientel, unterbreiten Angebote „aus einer Hand“ und entwickeln individuelle Berufsperspektiven. In Niedersachsen kommen dafür vor allem große Kommunen in Frage.

Schule und Beruf – diese Verzahnung muss noch enger werden nach dem Willen von Weil und Heiligenstadt. So plant die Kultusministerin 17 Modellschulen, aus denen Jugendliche für zwei Tage in der Woche in ein Unternehmen wechseln können. Heiligenstadt setzt dabei auf einen „Klebeeffekt“, dass Arbeitgeber und Jugendliche anschließend auch beieinander bleiben. „Es gibt unglaubliche Chancen für eine qualifizierte betriebliche Ausbildung“, betont der Ministerpräsident.

Weitere Maßnahmen: Ein „assistierter Berufseinstieg“ mit Hilfe eines „Coaches“ – oder besser: Betreuers –, der sich schon ein halbes Jahr vor dem Schulende um die künftigen Schulabsolventen kümmert. Zugleich wird die Zahl der Praktika erhöht.

Aber auch in Richtung Universitäten geht der Blick. So schwebt Weil eine ganz neue Möglichkeit vor, dass Studierende, die ihren Bachelor-Abschluss schon gemacht haben, auf dem Weg zum Masterabschluss parallel in der Berufswelt Einblicke nehmen können. Auch Studierende, die die Hochschule nicht schaffen oder hinterher ohne einen Job dastehen, sollen direkt angesprochen werden.