Wardenburg - Die Trecker-Maut wird kommen. Davon ist zumindest ein Wardenburger Ratsherr überzeugt, der vor der nächsten Sitzung des Hoch- und Tiefbauausschusses am kommenden Donnerstag, 17 Uhr im Rathaus lieber anonym bleiben möchte. Das Alternativmodell zur Finanzierung der Straßenreparaturen, das dort nämlich von der Gemeindeverwaltung vorgestellt wird – die Gründung von Wegegenossenschaften – löst seiner Meinung nach keines der Probleme. Für die Landwirte, die bereits jetzt die finanzielle Belastung einer Trecker-Maut fürchten, würde die Genossenschaft noch viel teurer, ist das Ratsmitglied überzeugt.

Ein Blick in die Satzung der Moorriem–Ohmsteder Sielacht (Kreis Wesermarsch), die die Verwaltung als Muster betrachtet, verrät den Grund: Die Beitragssätze der Mitglieder berechnen sich hier nach der Hektarzahl ihrer Ländereien. Pro Hektar können diese im Falle besonders schwieriger Bedingungen bis zu 125 Euro betragen. Und damit ist es mit der Zahlungspflicht noch nicht einmal getan. Die Benutzungsordnung legt fest, dass für alle Verbandswege eine Lastbeschränkung von sieben Tonnen gilt (§4, Absatz drei). Der Gebrauch eines Weges darüber hinaus bedarf ausdrücklich der Erlaubnis des Verbands. Zum Schutz des Weges darf der Verband den Nutzern Auflagen zum Gewicht machen.

In §8, Absatz drei heißt es weiter: „Der Erlaubnisnehmer hat dem Verband alle Kosten zu ersetzen, die diesem durch die Sondernutzung zusätzlich entstehen. Hierfür kann der Verband angemessene Vorschüsse und Sicherheiten verlangen.“ Im Grunde läuft es bei diesem Modell also ebenfalls auf kostenpflichtige Ausnahmegenehmigungen hin­aus wie bei der Trecker-Maut.

Keine Scheu, sich bereits zum jetzigen Zeitpunkt mit seiner Kritik klar gegen das Genossenschaftsmodell zu positionieren, hat ein weiteres Ratsmitglied. Eckhardt Hildebrandt (Freie Wähler) fühlt sich in längst vergangene Wardenburger Zeiten zurückversetzt. „Solche Realverbände sind zu meiner Zeit als Bürgermeister abgeschafft worden“, erinnert er sich an die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück. Aus gutem Grund, wie er noch heute findet. Wenn sich tatsächlich Wegegenossenschaft bildeten, in denen hauptsächlich Landwirte vertreten wären, verliere die politische Gemeinde nämlich einen Großteil ihres Einflusses. „Entschieden, welche Straßen und Wege künftig saniert werden und in welchem Umfang, wird dann ohne uns“, fürchtet er. Da der Einfluss innerhalb des Verbands stark von der wirtschaftlichen Größe seiner Mitglieder abhänge, stelle das Modell auch für viele kleinere Landwirte keine attraktive Lösung dar.

Werner Fademrecht
Werner Fademrecht Redaktion Hatten