Ramsloh - Die Sorge, was sie morgens anziehen, haben diese beiden nicht. Auf der Arbeit fühlen sich Vanessa Engelbrecht (16) und Sandra Kohake (27) am wohlsten in ihrem Blaumann. Abgesehen davon, sichert man sich dadurch auch die Anerkennung seiner männlichen Kollegen. Der Blaumann signalisiert: Seht her, ich kann zupacken und habe keine Angst, schmutzig zu werden.
Wer sich – wie die Ramsloherin und die Friesoytherin – zur Anlagen- und Maschinenführerin ausbilden lässt, darf allgemein nicht zimperlich sein. „Hier kann es mitunter schon sehr laut zugehen“, reflektiert Sandra Kohake die Arbeitsplatzbedingungen beim Kabelhersteller Waskönig+Walter in Ramsloh. Damit meint sie nicht das Betriebsklima, sondern die Tatsache, dass das Bedienen von Maschinen nun mal mit einem gewissen Lärmpegel verbunden ist.
Kohake befindet sich anders als die jüngere Kollegin bereits im zweiten Lehrjahr. Sie ist überzeugt davon, sich jetzt im zweiten Anlauf für den richtigen Beruf entschieden zu haben. „Gerade das technische Verständnis, das hier erwartet wird, macht mir viel Spaß.“ Vorher hatte sie im Einzelhandel gearbeitet. Das habe ihr weniger gelegen.
Voller Begeisterung erzählt die 27-Jährige, dass sie im Kabelunternehmen unter anderem für das Einstellen und Überwachen von Maschinen sowie das Einbauen verschiedener Teile zuständig sei.
Keine Lust, eine frauentypische Ausbildung zum Beispiel als Friseurin zu beginnen, hatte nach dem Hauptschulabschluss Vanessa Engelbrecht. Am 1. August hat sie mit 18 weiteren Azubis im Ramsloher Traditionsunternehmen angefangen. Dumme Sprüche, mit denen man etwa ihre Eignung infrage stelle, habe es nie gegeben. „Im Gegenteil. Die männlichen Kollegen sind sehr nett zu uns Mädels“, sagt sie. „Für einige ist es sicherlich auch eine willkommene Abwechslung“, schmunzelt Sandra Kohake.
Ebenfalls ratsam sei es, mit Kompetenzen zu punkten. Ganz in ihrem Element ist die 16-jährige Vanessa, als sie den Vorgang beschreiben soll, bei dem Drähte von einer Maschine bewegt werden. „Das ist ein Drahtzug, bei dem Kupfer von acht Millimeter Dicke durch Ziehsteine auf bestimmte Querschnitte gezogen wird“, erklärt sie fachmännisch und grinst.
Ebenfalls von Anfang an gut zurecht gekommen sind die beiden Frauen mit dem frühen Start in den Tag. Um sieben Uhr in der Früh müssen sie einstempeln, um Punkt 15.30 Uhr ist Feierabend.
Sollte man sie später im Unternehmen übernehmen, werden sie im rotierenden Schichtbetrieb arbeiten. Das hieße dann: zwei Tage am Stück von sechs bis 14 Uhr, zwei von 14 bis 22 Uhr und zwei von 22 bis sechs Uhr. Danach hätten sie drei freie Tage, bevor es wieder von vorne losgehe.
Bei Waskönig+Walter wird rund um die Uhr und an sieben Tagen in der Woche produziert. Vanessa Engelbrecht und Sandra Kohake wissen das. Dass sie in Zukunft mal Dienst zur besten Ausgeh-Feierzeit haben könnten, macht ihnen nichts aus. „Dafür haben wir unseren Traumjob gefunden“, sagen die Auszubildenden.
