Berlin - Der neue IG-Metall-Chef Detlef Wetzel will SMS und E-Mails vom Chef nach Feierabend per Vorschrift unterbinden. „Die Digitalisierung darf nicht dazu führen, dass Arbeitnehmer rund um die Uhr erreichbar sind“, sagte Wetzel. „Die neue Koalition muss hier strenge Regeln gegen Stress im Job und zu Hause vereinbaren.“ Es sei „unzumutbar“, dass immer mehr Beschäftigte nach Feierabend und an Wochenenden E-Mails oder SMS von Vorgesetzten bekommen.
Dem Arbeitgeberverband BDA zufolge haben die Unternehmen ihre Hausaufgaben bereits gemacht: „Die deutschen Arbeitgeber gehen verantwortungsvoll mit Arbeitszeit und Freizeit ihrer Mitarbeiter um. Kein Arbeitnehmer ist verpflichtet, ständig erreichbar zu sein“, teilte der BDA mit.
Vorreiter war der Autobauer Volkswagen: Dessen strikte E-Mail-Sperre nach Feierabend stößt laut Betriebsrat bei den Mitarbeitern praktisch nur auf Gegenliebe. „Die Regelung hat sich durchweg in der Praxis bewährt“, sagte ein Sprecher am Freitag.
Der BDA warnte allerdings vor strengen Gesetzen zur Erreichbarkeit nach Feierabend: „Engagement und Leistungsbereitschaft sollten nicht zwangsweise eingeschränkt werden.“
Laut einer Umfrage des IT-Branchenverbandes Bitkom ist es für 88 Prozent der Berufstätigen selbstverständlich, auch außerhalb der Arbeitszeit per Handy oder E-Mail ansprechbar zu sein. Etwa ein Drittel sei jederzeit für Kunden und Kollegen erreichbar.
Arbeitsmedizinern zufolge kann ständige Erreichbarkeit zu Stress und Überbelastung führen. In Extremfällen könne der berufliche Standby-Modus auch zu Burnout oder Depressionen führen.
