Oldenburg - Grasende Kühe auf saftig-grünen Wiesen guckt sich Christian Meyer gerne an, wenn er durch die Region tourt. Nicht nur, weil es hübsch anzuschauen ist – die Aussichten, seine Ziele zu erreichen, sind auch super: Niedersachsen soll zum Bio-Bundesland werden, wünscht der grüne Agrarminister.
Im Restaurant Tafelfreuden bekommt er am Donnerstagmorgen dafür Applaus. Rund 50 Biolandwirte, konventionelle Bauern, Fachleute und Vertreter der Biobranche haben sich zu Niedersachsens erstem „Tag der Biomilch“ versammelt. Bis nachmittags soll es um wirtschaftliche und betriebliche Erfolgsfaktoren, Perspektiven, Aufgaben und Erfahrungen bei der Umstellung auf regional-biologische Erzeugung gehen. Da ist Niedersachsen nämlich Schlusslicht – „dabei bietet sich die Region um Oldenburg mit den vielen Weideflächen ideal an“, mault der Agrarminister und überbringt gleichzeitig die frohe Kunde, dieser Missstand werde sich jetzt dank eines eben abgeschlossenen Landesprojekts ändern.
Die Landwirte im Raum braucht er eigentlich nicht zu überzeugen: Die meisten von ihnen haben die letzten zwei Jahre mit der Umstellung auf Biomilchproduktion verbracht und werden ab Herbst die Molkerei Ammerland mit heiß begehrter Ware beliefern. Im Einkaufskorb der Kunden landen nämlich immer lieber Bio-Milchprodukte. Und das rechnet sich. In Zeiten fallender Marktpreise haben etliche Bauern aufgegeben oder eben umgesattelt. Biokühe kosten zwar mehr, bringen aber mit rund 48 Cent pro Liter auch konstant gutes Geld und eine Finanzspritze vom Land.
Bio als logische Lösung aller Probleme mag Harald Gabriel auch nicht so nennen. Der niedersächsisch-bremische Geschäftsführer vom Zusammenschluss Bioland weiß, dass nicht jeder Großbetrieb „mal eben so umstellen kann“: Zu viele Tiere, zu wenig Platz. Ihm schwebt eine klarere Differenzierung zwischen Bio-, Weide- und konventioneller Milch vor. „Wie bei Eiern.“ Der Zuwachs an Biolandwirten freut ihn naturgemäß dennoch. Positiver Nebeneffekt der kleineren Betriebe: es gibt weniger Überproduktion. Die Milchkrise hat bei allen Beteiligten Wunden gerissen.
Ob die Ammerländer Molkerei rein aus tierischer Liebe zu Bio die Produktion in Oldenburg ausweitet, ist für die Landwirte weniger relevant. Für alle, die schon länger Biomilch anbieten, verkürzen sich so auch die Anfahrtswege. „Und der Verbraucher bekommt Bio-Nahrung aus der Region“, freut sich Christian Meyer. Ob die Hof-Herkunft auf dem Tetrapack abgedruckt ist und es das dann beim Discounter oder im Naturkostladen zu kaufen gibt, bleibt der Molkerei überlassen.
Ein paar Ziele sind erreicht: Grasende Kühe auf saftig-grünen Wiesen werden in der Region vermutlich mehr zu sehen sein. „Aber es muss auch noch konventionelle Betriebe geben“, sagt der Vorsitzende vom Landesverband bäuerliche Landwirtschaft, Ottmar Ilchmann. Dagegen kann auch der Agrarminister nichts sagen. Ausschließlich Biomilch trinkt selbst Christian Meyer nicht: „Wie soll man das auch schaffen?“
