Ovelgönne - Es ist ein Sonntag im Januar – und den werden Hermann Hashagen und Günther Kleen wohl nicht so schnell vergessen. Die beiden joggen zwischen Frieschenmoor und Hakendorferwurp in der Nähe der Kreisstraße 199 an einem Graben entlang, als sie plötzlich einen Seehund entdecken.
Der Meeresbewohner schwimmt zügig durch den Graben und begleitet neugierig die Jogger. Günther Kleen hat ein Handy dabei und schießt ein paar Schnappschüsse. Nach dem Duschen informieren die beiden Sportler den Wattenjagdaufseher Hans-Gerd Wefer. Gemeinsam suchen sie zwei Stunden lang das Grabensystem bis zum Sielzugang ab, um den Seehund gegebenenfalls aus dem Graben zu befreien. Ohne Erfolg, der Säuger ist nicht mehr zu finden. Gut fünf Monate später fragt die NWZ beim Wattenjagdaufseher Hans-Gerd Wefer noch einmal nach. Was ist eigentlich aus dem Seehund geworden, der die beiden Jogger begleitet hat?
„Der Seehund ist im wahrsten Sinne des Wortes abgetaucht. Wir haben ihn seither nicht mehr gesehen. Und auch Spaziergänger haben ihn wohl nicht mehr bemerkt. Wir haben jedenfalls nichts mehr gehört“, sagt Wefer im Gespräch mit der NWZ .
Der erfahrene Wattenjagdaufseher geht davon aus, dass der Säuger den Weg zurück in die Nordsee gefunden hat. „Seehunde sind clever. Sie finden über das Entwässerungssystem der Wesermarsch zurück in ihr Revier“, sagt Wefer.
Und dann fügt er noch hinzu, dass der Seehund in Ovelgönne wohl keine Not leiden musste: „Im Sieltief gibt es schließlich genug Fisch – und den wird unser Seehund mit großem Appetit verspeist haben.“
