Wildeshausen - Vor verschlossenen Türen standen am Mittwoch Patienten, die spontan einen Termin in einigen Wildeshauser Praxen haben wollten. „Aufgrund des bundesweiten Aktionstages sind wir sind heute telefonisch nicht zu erreichen. Für Notfallbehandlungen und abgesprochene Termine bleibt die Praxis geöffnet“, tönte es vielerorts vom Anrufbeantworter.

Auch der Wildeshauser Neurologe und Psychologe Dr. Rainer Woltmann, der zugleich Vorsitzender der Ärztegenossenschaft Niedersachsen/Bremen ist, entschied sich für diesen Weg und tat es damit zehntausenden Ärzten gleich, die trotz der überraschenden Einigung im Honorarstreit mit den Krankenkassen ihre geplanten Protestaktionen durchzogen.

Im wochenlangen Streit über mehr Geld für niedergelassene Ärzte war am Dienstagabend ein Kompromiss erzielt worden. Die Honorare für die rund 150 000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten steigen im nächsten Jahr um 1,15 bis 1,27 Milliarden Euro. Die genaue Summe hängt von weiteren Verhandlungen in den Regionen ab.

Nicht klein beigeben, sondern genau hinschauen, ob es sich beim aktuellen Kompromiss um eine Mogelpackung handelt, möchte Dr. Woltmann. Positiv wertete der Wildeshauser Mediziner, dass die stark im Steigen begriffenen Kosten für Psychotherapie künftig aus dem Gesamtbudget herausgelöst werden. Ansonsten sieht er keine Forderung aus dem Sieben-Punkte-Katalog des Chefs der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Andreas Köhler, erfüllt. Darin geht es zum Beispiel um die Wiederherstellung der diagnostischen und therapeutischen Freiheit, feste und kostendeckende Preise für alle ärztlichen Leistungen und die Abschaffung versorgungsfremder Steuerungselemente.

Von Mengenbesprechungen, die keiner verstehe, und Pauschalvorwürfen seitens der Krankenkassen hat Dr. Woltmann die Nase voll. „Keiner von uns will die Patienten ärgern und keiner will mit dem Porsche sein Haus im Tessin retten“, betont der Mediziner sarkastisch. Nicht die Ärzte, sondern die Krankenkassen würden ihren Kampf ums Geld auf dem Rücken der Patienten austragen.


Woltmann wünscht sich „mehr Offenheit und Redlichkeit“. Es werde kolportiert, dass nur zwei bis drei Menschen in Deutschland das inzwischen völlig undurchschaubare ärztliche Bezahlsystem verstünden. Dieses System gelte es, zu durchforsten und wieder auf solide Beine zu stellen. Es könne nicht sein, dass die Ärzte eine immer älter und demgemäß auch kränker werdende Bevölkerung ohne angemessene Vergütung behandelten und – so wie derzeit – 20 bis 30 Prozent ihrer Arbeit für den Patienten von den Kassen nicht bezahlt bekämen.