Hohenkirchen - Die Insel im Wangermeer ist offenbar nicht loszuwerden. Die Gemeinde Wangerland hat sich viel Mühe gegeben, Interessenten aus Hotel- und Ferienpark- sowie Gesundheitsbranche zu gewinnen, hatte Banken und Bausparkassen zur Vermarktung ins Boot geholt und sogar einen europaweit tätigen Makler, berichtete Bürgermeister Harald Hinrichs am Dienstagabend im Werksausschuss Wangermeer – ohne Erfolg. „Uns wurde Respekt bekundet für den Freizeitsee, aber kein konkretes Interesse“, sagte Hinrichs.
Ursprünglich war geplant, auf der Insel einen hochwertigen Hotelkomplex anzusiedeln, auch ein kleinteiliger Ferienpark war im Gespräch. Doch angesichts des neuen Ferien- und Wohngebiets am Nordwest-Ufer, das die NLG vermarktet, sei ein weiteres Ferienhausgebiet städtebaulich nicht vertretbar, sagte Hinrichs.
Die Gemeindeverwaltung schlägt deshalb vor, auf der Insel einen Camping- und Wohnmobilplatz zu bauen. „Diese Nutzung würde das Übernachtungsangebot in Hohenkirchen bereichern und auch dem Einzelhandel einen Schub geben“, sagte Hinrichs. Der angedachte Campingplatz müsse nicht zwangsläufig von der Gemeinde oder der Wangerland Touristik betrieben werden, dafür könne auch ein Investor gesucht werden.
Gespräch mit Landkreis
Dass sie die Insel nicht losschlagen können, bedeutet für Gemeindeverwaltung und Gemeinderat ein Umdenken insbesondere mit Blick auf den Schuldenabbau: Erwartet worden war ursprünglich, dass durch den Verkauf der Insel mehr als 6 Millionen Euro zum Abbau der langfristigen Verbindlichkeiten in Höhe von rund 12 Millionen Euro verwendet werden können.
Den Kaufpreis der Insel hatte die Gemeinde im Lauf der Jahre immer niedriger angesetzt – nun steht fest, dass so gut wie kein Geld fließen wird. „Wir können uns keinen Käufer schnitzen, die Investoren stehen nicht Schlange“, bedauerte Hinrichs.
Die Gemeinde wird nun eine grobe Planung für den Campingplatz samt Kostenaufstellung in Auftrag geben und Gespräche mit der Kommunalaufsicht beim Landkreis führen. Das ist notwendig, weil die Einnahmen aus dem Verkauf der Insel fest im Haushaltsentwicklungskonzept stehen. Die Ratsfraktionen haben derweil Zeit, über diesen Vorschlag zu beraten.
Noch in diesem Jahr soll es allerdings weitergehen mit dem Wegebau rund um den See: Wangermeer-Geschäftsführer Thorsten Meuer schlug vor, ein weiteres 1600 Meter langes Teilstück des Rundwegs vom nördlichen Brückenkopf ums Nordufer und an der Flachwasserzone vorbei bis Grimmenser Weg und dann am Ostufer bis knapp vor Gottels zu bauen. Die Kosten für den 2,50 Meter breiten Schotterweg bezifferte er auf rund 100 000 Euro.
Im Bereich der Flachwasserzone, wo sich bereits viele Vögel angesiedelt haben, müsste der Verlauf des Weges noch mit Naturschutzverbänden und Jägern abgestimmt werden. Der Wegebau soll demnächst ausgeschrieben und dann so vorgenommen werden, dass die Arbeiten nicht in die Brut- und Setzzeit ab April fallen.
Rückbau der Dämme
Ebenfalls demnächst ausgeschrieben werden soll der Rückbau der beiden Dämme, die das Wangermeer in drei Becken teilen. Die Dämme sollten bereits im Frühjahr entfernt werden, doch dann war die Maßnahme zurückgestellt worden, weil die Wasserqualität in der westlichen Pütte sich stark von der in der südlichen Pütte unterscheidet: Im zuerst fertiggestellten Bereich ist das Wasser stickstoffreich und phosphatarm und entspricht laut einem Gutachten des Institut Terramare Regenwasser. Im zuletzt gefluteten Bereich ist das Wasser phosphatreich und entspricht dem Grundwasser.
Offen ist, was passiert, wenn beide Wasser sich vermischen, führte Meuer aus: Entweder, die Regenwasserqualität überwiegt und der gesamte See versüßt, oder aber die Grundwasserqualität überwiegt und der See könnte versalzen. „Wir haben ein gewisses Restrisiko – doch was passiert, werden wir nie herausfinden, wenn wir die Dämme nicht wegnehmen“, sagte Meuer.
