KIRCHHATTEN - Mehr als 7000 Kilometer muss Rollin Bremerman zurücklegen, um große Teile seiner Verwandschaft in der Gemeinde Hatten zu besuchen. Der Grund: Sein Vater, Heinrich Bremermann alias Henry Bremerman, wagte als junger Abenteurer 1926 von Kirchhatten aus den Sprung über den großen Teich und wanderte in die USA aus. Sein Sohn kam nun zum zweiten Mal nach Deutschland, um seinen sechs Töchtern den Geburtsort des Großvaters zu zeigen.
„Das ist wirklich ein emotionaler Moment, hier zu stehen, wo mein Vater als kleines Kind gespielt hat“, zeigte sich Rollin Bremerman im Kuhstall des Geburtshauses am Birkenwinkel sichtlich gerührt. Hier wohnen nun Herta Bremermann und Sohn Heiko und bewirtschaften den Hof.
Heinrich Bremermann wurde im Mai 1902 in Kirchhatten geboren und wanderte 1926 als lediger Mann aus. Mit der Columbus ging es zunächst von Bremerhaven nach New York, von dort weiter nach Pender in Nebraska. Am 8. Oktober 1932 wurde er in den USA eingebürgert.
In den Staaten arbeitete Henry Bremerman, wie er dort genannt wurde, zunächst als Farmarbeiter bei der Familie von Seegern, die ebenfalls aus Deutschland eingewandert war. Am 21. Februar 1933 heiratete er die Tochter, Adeline Bertha von Seegern, und übernahm später die Farm. Nach einer Totgeburt schenkt seine Frau ihm zwei Töchter, Darlene Janice und Carol Jean, und Sohn Rollin Herman Henry Bremerman.
Auch Rollin blieb der Landwirtschaft verbunden und führte später die Farm. Im Gegensatz zur Verwandschaft in Deutschland betrieb er bis zur Rente allerdings keine Viehwirtschaft, sondern setzte auf Getreide. Einer der Lebensgefährten seiner Töchter habe aber eine große Farm mit rund 10 000 Kühen. „Das sind bei uns ganz andere Dimensionen“, erläutert Rollin Bremerman.
Nachdem Henry Bremerman 1966 verstorben war, kam sein Sohn bereits im Jahr 1987 zusammen mit seiner Mutter zu einer Stippvisite nach Kirchhatten. Auch diesmal war die Freude beim Wiedersehen wieder groß.
Neben dem Familientreffen in Hatten stand für die Amerikaner auch eine Tour durch Deutschland und Europa auf dem Programm. Neben Stippvisiten in Hamburg und Berlin und Oldenburg ging es auch zur Gedenkstätte Bergen-Belsen auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenen- und Konzentrationslagers. „Das waren ergreifende Eindrücke. Es ist für die Menschen aus den Staaten unfassbar, was dort geschehen ist“, sagt Frank Huntemann, der die Familie Bremerman bei ihrer Reise durch Deutschland und Europa begleitete. Seine Großmutter war die Schwester von Heinrich Bremermann.
Nach dem Trip durch Deutschland ging es für jeweils zwei Tage nach Wien, Venedig und Rom. Der Höhepunkt der Reise war aber das Treffen mit den Verwandten in Kirchhatten. Nach dem Besuch des Geburtshauses ging es ins Deutsche Haus. Dort hatten sich 59 Personen zum großen Familiennachmittag angesagt. „Leider war der Kontakt nie so intensiv, wie man es sich manchmal wünscht. Aber die nächste Generation hat es da viel leichter“, meint Rollin Bremerman und denkt dabei an seine Töchter und Enkel. „Durch das Internet wird die Distanz deutlich kleiner.“ Im weltweiten Netz sind 7000 Kilometer keine Entfernung.
