KIRCHHATTEN - Einen umfangreichen Einblick in die 100-jährige Geschichte des Reitklubs Frei Tempo Kirchhatten gibt die Chronik, die anlässlich des Jubiläumsfestes zum 1. Juni erscheint. Gegründet wurde der Verein im November 1908 von sieben reitsportbegeisterten Männern: G. Stolle (Schmede), R. Twiestmeyer (Hatten) , Fritz Stalling (Hatten), J. Schweers (Hatten), Willi Tabken (Schmede), Willy Witte (Hatten) und Johann Rathkamp (Hatten).
Seinerzeit wurde die Reiterei fast ausschließlich von Landwirten an Sonntagen mit den Arbeitspferden betrieben, wobei Ausritte und Übungsritte im Oldenburger Land, selbstverständlich mit Einkehr, im Vordergrund standen. Die Regeln waren damals recht streng: So wurde bei unentschuldigtem Fehlen ein Strafgeld von einer Mark verhängt. So hoch war auch der Jahresbeitrag.
Mit Beginn des 1. Weltkrieges kam die Vereinsreiterei fast zum Erliegen. Erst 1920 fand wieder ein geregeltes Vereinsleben statt. Es wurden Festlichkeiten und vor allem Rennen veranstaltet. 1925 kaufte der Verein ein Gelände an der Munderloher Straße und baute diesen in Eigenarbeit zum Rennplatz aus. Dort fand auch eine geordnete Reitausbildung statt. Als hauptamtlicher Reitlehrer führte ein ehemaliger Kavallerist führte ein strenges Regiment.
Der Verein fand großes Interesse und zählte bald 120 Mitglieder. Es wurden Abteilungen zusammengestellt, die an Rennen mit den befreundeten Vereinen Huntlosen und Sandersfeld teilnahmen. Zu diesem losen Verbund stießen Ende der zwanziger Jahre die Reitervereine Höven, Großenkneten und Holle, woraus später der Kreisreiterverband Oldenburg entstand. 1933 kamen die Nazis an die Macht und bestimmten nach deren Grundsätzen vielfältig die Abläufe.
1947 veranstaltete der Verein wieder ein Verbandsturnier. Die wirtschaftlichen Verhältnisse ließen keine großen Sprünge zu, vieles wurde in Naturalien abgerechnet. So wurden beispielsweise für die Nutzung der Weiden zum Turnier zehn Zentner Thomasmehl entrichtet. In den folgenden Jahren widmete sich man der anspruchsvolleren Ausbildung. Hauptamtliche Reitlehrer führten die Reiter auf Kreis- und Verbandsebene von Erfolg zu Erfolg. So sicherte sich die Jugendabteilung 1953 beim Verbandsrennen den 1. Preis. 1966 errangen Helmut Nienstermann, Horst Bührmann, Manfred Osterloh und Gerold Egbers den Kreisturnier-Pokal.
1984 erwarb der Verein ein Gelände, auf dem eine Halle errichtet werden sollte. Doch die Verwirklichung bereitete erhebliche Schwierigkeiten und so wurde von diesem Plan zunächst Abstand genommen. Acht Jahre darauf wurde eine Lösung gefunden. Mitglied Martin Erdmann verpachtete ein direkt an seinem Hof gelegenes Grundstück auf Erbpacht an den Verein und baute selber direkt angrenzend in ehemaligen Viehställen Pferdeboxen. Der erste Spatenstich für die lang ersehnte Halle erfolgte Ende 1993. Im September 1994 war bereits Richtfest.
Neben der Halle entstand auf dem Areal ein großzügiges Clubheim, ein Schulungsraum sowie sanitäre Anlagen. Die Außenanlage verfügt über ausreichend Parkmöglichleiten, einen Spring- und zwei Dressurplätze. Hervorzuheben sind zudem die angrenzenden Weiden, die sowohl Privat- als auch Schulpferden ganzjährig zur Verfügung stehen. Ein ausgezeichnetes und weitläufiges Gelände schließt sich direkt an.
