KIRCHHATTEN - Die Veranstaltung des Literatukreises war gut besucht. Die 78-jährige Referentin führte in die Biographie ein.

von anja rohde

KIRCHHATTEN - Salonatmosphäre in der Kirchhatter Gemeindebücherei: mit weißem Teegeschirr, leiser Musik im Hintergrund, Blumen und Kerzen verlieh der Literaturkreis Kirchhatten der Lesung über Rahel Varnhagen einen besonderen Rahmen.

Und der Zuspruch war größer als erwartet: Organisatorin Heidi Evers vom Literaturkreis musste immer neue Stühle in den kleinen Bibliotheksraum tragen, in dem Erni Klein aus Ganderkesee die ausschließlich weibliche Zuhörerschar in das Leben und Wirken der 1771 in Berlin geborenen und dort 1833 verstorbenen Jüdin Varnhagen einführte. „Das ist ja fast wie in der Uni; es kommen immer mehr“, stellte Klein fest, die es wissen muss. Seit mehr als zehn Jahren besucht die 78-Jährige als so genannte ältere Kursstudierende die Universität Bremen und belegt dort Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft und Philosophie. „Ich streue je nach Lust, Bedarf und Professor“, sagt sie.

Zum ersten Mal hielt sie nun eine Lesung. Der Kontakt zum Literaturkreis war über gemeinsame Bekannte zustande gekommen. „,Haben Sie nicht Lust?‘, wurde ich gefragt“, berichtet Klein. Mit der Biographie von Rahel Varnhagen hatte sie sich erstmals vor etwa elf Jahren an der Universität befasst. Bereits damals hätten die Studenten mit Beethoven, dessen Musik Varnhagen liebte, Duftwasser und weiteren Details dem Kursraum „das hässliche Ambiente und die Nüchternheit“ genommen.

Varnhagen, die die Publizistin Carola Stern in einer Biographie über die Schriftstellerin als „Geselligkeitskünsterlin“ bezeichnet hat, führte in Berlin einen literarischen Salon. In ihm verkehrten Dichter, Naturforscher, Politiker und Aristokraten. Ihr Leben lang setzte sich Varnhagen für die Rechte der Frauen und die Gleichberechtigung der Juden ein. „Ihr wichtigstes Medium waren die Briefe“, führte Klein aus. „Sie erhob sie zu einer Kunstform, zu einem literarischen Kunstwerk“, so die Referentin.