Kirchhatten - Ein großes Pflegeheim am Mühlenweg oder lieber eines an der Bahnhofsallee in Kooperation mit dem Klänerhof an der Schultredde? Diese für die weitere Entwicklung Sandkrugs und Streekermoors wichtige Frage muss der Hatter Gemeinderat beantworten. Am Donnerstagabend fühlten sich die Ratsfraktionen dazu noch nicht in der Lage. Die Entscheidung wurde auf eine weitere Sitzung in etwa zwei Wochen vertagt.
Zwei Bewerber
Die Lindhorst-Gruppe aus Winsen/Aller hat den Klänerhof gekauft und will zusätzlich ein zweites Heim für Menschen mit höherem Pflegebedarf (Härtegrad drei bis fünf, ca. 50 Plätze) auf dem ehemaligen Gelände des Sägewerks errichten – ein Standort alleine sei wirtschaftlich nicht tragfähig, so der geschäftsführende Gesellschafter Alexander Lindhorst zur Ð . Eine Bebauungsplanänderung ist für den Neubau an der Bahnhofsallee nicht nötig, wie die Gemeinde bestätigt.
Der Mitbewerber, die Specht-Gruppe (Bremen), hat sich ein etwa ein Hektar großes Grundstück am Mühlenweg gesichert und will dort als Teil des geplanten großen Neubaugebietes eine Seniorenresidenz errichten – hier wäre eine Änderung des Bebauungsplanes unabdingbar.
Für Verwaltung und Ratsmitglieder völlig überraschend kündigte der geschäftsführende Gesellschafter Rolf Specht an, mit der GSG Oldenburg Bau- und Wohnungsgesellschaft über den zusätzlichen Bau von 30 Sozialwohnungen auf der Fläche einig zu sein. Außerdem solle die Reha-Sportgemeinschaft Hatten Räume im Erdgeschoss des Komplexes anmieten können.
Die Ratsvertreter fühlten sich nach der Präsentation sichtlich überrumpelt und reagierten reserviert. Das soeben Gehörte sei ein völlig neues Projekt und müsse definitiv erst in der Fraktion beraten werden, begründete Uwe Hollmann (SPD) seinen Antrag auf Vertagung.
Niels-Christian Heins (FDP) sprach kritisch von einer „Verkaufsveranstaltung“ und warnte vor voreiligen Entscheidungen. Die Gemeinde stehe schließlich vor einer Weichenstellung, die für den Umgang mit alten Menschen entscheidend sei.
Am Tag darauf war sich zumindest die CDU-Fraktion schon weitgehend einig, kündigte Fraktionschef Thomas Schulze der NWZ an. Man werde für die Lindhorst-Gruppe stimmen. „Am Mühlenweg wollen wir Wohnraum für junge Familien und Singles schaffen, da passt ein Pflegeheim nicht rein“, so Schulze. Mit der Entscheidung für die Standorte Bahnhofsallee/Klänerhof würde dagegen viel Dampf aus dem Kessel genommen. „Der Bedarf ist ja da.“
Ratsherr Benjamin Stanke (CDU) ist überzeugt, die Reha-Sportgemeinschaft werde als „Bauernopfer“ missbraucht. Versprechungen an Vereine, egal welcher Sparte, dürften nicht entscheidend für die Entscheidung über den Standort einer solchen Investition werden. „Als Vertreter des Schützenvereins Sandkrug distanziere ich mich von jeglichem Versuch, so Einfluss auf den Rat zu nehmen.“
Pro und Kontra
Bürgermeister Christian Pundt verspricht, er werde alles tun, damit der Rat die weitreichende Entscheidung nach objektiven Kriterien treffen könne. Alle Fraktionen haben von ihm mittlerweile eine Pro- und Kontraliste erhalten, in der er die Projekte nach ihren positiven und negativen Aspekten (u.a. Wohnraumentwicklung, Einkaufsmöglichkeiten der Bewohner, Erreichbarkeit der Häuser, Personalausbildung etc.) vergleicht.
