Grummersort - In Zukunft könnten Waschmaschine, Kühlschrank und Trockner selbst entscheiden, wann sie ihre Arbeit verrichten. Dank direktem Draht zum Stromlieferanten werden sie erst aktiv, wenn der Strompreis wegen überschüssiger Kapazitäten bei viel Wind und Sonnenschein im Netz günstig zu haben ist. Dieses Szenario entwarf Torsten Wüstenberg, EWE-Vertriebsleiter in der Geschäftsregion Cuxhaven/Delmenhorst, am Dienstagabend beim 10. Wirtschaftsgespräch der Gemeinde Hude.

Knapp 40 Gäste waren der Einladung nach Grummersort in den Gasthof „Zur Mühle“ gefolgt, um sich unter souveräner Moderation des Wirtschaftsausschuss-Vorsitzenden Carsten Möhlenbrock dem Thema „Energiewende und Klimawandel“ zu widmen. Und intelligente Stromzähler, so genannte „Smart Meter“, sind ein wichtiger Baustein der Energiewende. „Das ist keine Fantasie, sondern greifbar nahe. Es gibt schon 500 Kühlschränke in der Region, die mit dieser Technik arbeiten“, betonte Wüstenberg.

Nicht ganz so optimistisch zeigte sich Dr. Daniel Gelmke, Referatsleiter im niedersächsischen Umweltministerium, in Bezug auf Unternehmen, deren Produktion sich nicht daran orientieren könne, ob die Sonne scheint: „Die Stromversorgung ist für die Unternehmen da, und nicht umgekehrt.“ Daher sei der Ausbau von Speicherkapazitäten wichtig. Die Versorgungssicherheit mit Energie und ihre Bezahlbarkeit mahnte auch Hans-Werner Aschoff an. „Die Energiewende darf kein unkalkulierbares Risiko für die Wirtschaft werden“, sagte der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Landkreis Oldenburg.

Wie aus umweltbewusstem Handeln unternehmerischer Erfolg erwachsen kann, bewies Jochen Schritt, Gründer und Geschäftsführer der Firma Naturkost Kornkraft aus Großenkneten. Sein Großhandel bezieht bereits seit 1998 Öko-Strom und betankt seine Lkw mit Pflanzenöl. Beim Neubau eines Kühllagers wurde die Kapazität verdoppelt, der vorherige Energieverbrauch aber durch EDV-gesteuerte Kühltechnik, intelligente Raumanordnung, Isolierungen und gekapselte Laderampen um rund 20 Prozent verringert. Ein Holzvergaserkessel wird mit Abfallholz aus Gemüsekisten betrieben – dadurch werden pro Jahr 30 Tonnen Holz entsorgt und 15 000 Liter Heizöl eingespart. „Wir können ganz viel tun, wenn wir nur wollen“, warb Schritt.

Für die Energiewende, betonte Torsten Wüstenberg als Geschäftsführer der Synergiegemeinschaft Delmenhorst/Oldenburg-Land, brauche man die Handwerksbetriebe. Daher schule man Firmen im Umgang mit neuen Technologien.


Das Gelingen der Energiewende „entscheidet sich im ländlichen Raum“, meinte Daniel Gelmke. „In Hannover gibt’s keine Biogasanlagen und Windräder. Auf dem Land werden die Lasten getragen“, so der Ministeriale.

In Hude scheint die Akzeptanz da zu sein. Schon jetzt kommen hier 65 Prozent der Energie im Netz der EWE aus erneuerbaren Quellen. Die Bundesregierung plant, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung bis 2050 auf 80 Prozent zu erhöhen. „Das Ziel ist für Hude schon in den nächsten fünf Jahren erreichbar“, prognostizierte Torsten Wüstenberg. Bürgermeister Axel Jahnz war überzeugt: „Wir sind auf einem guten Weg.“