KLATTENHOF - Fast acht Monate ist es nun her, dass ich mich auf meinen Aufenthalt nach China begeben habe. Acht Monate mit vielen neuen Eindrücken, Erlebnissen und Bekanntschaften.
Alles begann mit der Bewerbung für ein Stipendium, die Zusage kam im letzten Frühjahr, nun bin ich hier, in China – in Shanghai. Zunächst habe ich ein Semester an der Uni in Hangzhou, einer kleinen Provinzhauptstadt mit sechs Millionen Einwohnern, studiert und im Anschluss daran bin ich nach Shanghai gezogen und befinde mich nun in der Praxisphase meines Studiums.
In Deutschland studiere ich in Oldenburg an der Jade Hochschule Wirtschaftsingenieurwesen mit dem Schwerpunkt Bauwirtschaft, da ist China natürlich genau das richtige Land, denn hier boomt die Baubranche regelrecht, es wird einfach nahezu überall gebaut. Hinzu kam, dass ich eine andere Kultur, neue Menschen mit anderen Sitten und Lebensweisen kennen lernen wollte.
All das ist mir auch bereits jetzt schon gelungen, wir sammeln hier Tag für Tag viele neue Eindrücke und besonders in den ersten Wochen in diesem unvorstellbar großen Land war alles äußerst beeindruckend und einfach anders.
Nach der Ankunft im August in Hangzhou hieß es erst einmal, viele, viele Eindrücke verdauen und sich versuchen etwas einzuleben. Glücklicherweise begleiteten mich noch zwei weitere Studenten aus Oldenburg,. Das größte Problem war, dass wir die chinesische Sprache nicht beherrschen, und leider ist es tatsächlich so, dass hier kaum jemand Englisch spricht. So wurde schon die kürzeste Taxifahrt eine Herausforderung. Fortan hatten wir dann immer in Schriftzeichen aufgeschrieben, um den Taxi-Fahrer unser Ziel verständlich zu machen.
Andere Esskultur
Auch in Sachen Essen mussten wir uns natürlich etwas umstellen, die Chinesen haben eine andere Esskultur. Hier wird eigentlich fast immer warm gegessen, außerdem werden die Gerichte in die Mitte des Tisches gestellt ,und dann hat jeder ein keines Schälchen und kann essen, wovon er möchte. Dieses ist eine sehr schöne Sitte, da man sich viel mehr Zeit beim Essen lässt und sehr viele unterschiedliche Dinge probieren kann. Allerdings haben die Chinesen vielleicht ein etwas anderes Verständnis von Hygiene und Sauberkeit, denn so werden beim Essen zum Beispiel die Knochen, die noch im Fleisch sind, regelrecht wieder auf den Tisch gespuckt. Nach dem Essen sieht es dann meistens wahrlich aus wie auf einem Schlachtfeld.
Im Laufe der Zeit haben wir dann aber auch immer mehr Möglichkeiten ausfindig machen können, etwas westlicher zu leben, denn irgendwann sehnt man sich schon nach Brot mit Käse. Da ist die Freude natürlich umso größer, wenn von zu Hause ein Päckchen mit reichlich Proviant eintrifft.
120 Euro Mindestlohn
Besonders in Shanghai haben wir nun viele Möglichkeiten, westlich zu Leben, allerdings ist das im Vergleich zu chinesischen Produkten natürlich auch wesentlich teurer. In China liegt der Mindestlohn umgerechnet bei etwa 120 Euro, aus diesem Grund sind Dienstleistungen hier auch unglaublich günstig. Es lohnt sich also eigentlich kaum, selbst zu kochen, da man eine Mahlzeit schon für etwa einen Euro bekommen kann.
Kein Rechtsfahrgebot
Auch Friseurbesuche, Massagen oder Taxi fahren zum Beispiel sind hier im Vergleich zu Deutschland äußerst günstig. Hier am Straßenverkehr teilzunehmen, ist immer wieder ein Erlebnis, denn im Grunde fährt hier jeder, wie er möchte. Es gibt kein Rechtsfahrgebot, rückwärts fahrende Autos auf der Autobahn sind nichts Seltenes, und auch rote Ampeln werden oftmals missachtet. Allerdings kommt es erstaunlicherweise selten zu Unfällen, da alle recht langsam fahren. An nahezu jeder Kreuzung stehen hier durchschnittlich zwei bis drei Verkehrspolizisten, sie versuchen, den Verkehr zu regeln und weisen die Menschenmassen über die grünen Ampeln.
Eine Sache, die ich hier definitiv schnell gelernt habe, ist es, viel Geduld zu haben, denn in China braucht alles seine Zeit. Man kann nichts schnell erledigen, dafür gibt es einfach zu viele Menschen und auch Sachen, die bei uns normalerweise in wenigen Minuten erledigt sind, können hier unglaublich lange dauern.
Das geordnete Leben, dass wir Deutschen führen, fehlt mir zeitweise schon etwas. Hier herrscht oftmals Chaos, alles ist durcheinander, die Chinesen schreien oftmals sehr laut und können es zum Beispiel kaum abwarten, Bus oder Flugzeug schnellst möglich zu verlassen und werden überaus hektisch.
Mein Freundeskreis besteht hier überwiegend aus Deutschen, gemeinsam unternehmen wir gerne etwas nach der Arbeit und natürlich auch am Wochenende.
Interessiert an Ausländern
Dabei bleibt natürlich auch etwas Zeit durch China zu reisen. Dabei konnte ich mir Städte wie Beijing, Xian, Hong Kong und noch ein paar weitere Sehenswürdigkeiten anschauen. Auch wenn die vielen Menschen manchmal etwas anstrengend sein können, kann ich sagen, dass die Chinesen ein sehr nettes und vor allem hilfsbereites Volk sind. Sie sind immer sehr an Ausländern interessiert. Mittlerweile bemerke ich die ganzen Blicke, die auf mich gerichtet sind, kaum noch, aber es passiert schon häufiger, dass die Chinesen ganz aufgeregt Fotos mit uns „Loa Weis“, die Ausländer, machen wollen.
