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Energieversorgung Im Ammerland Stehen in Kleefeld bald mehrere Strommasten?

Imke Harms

Kleefeld - Gummistiefel an, Mütze auf, Reißverschluss bis unters Kinn gezogen und ab ins Moor. Die Kleefelder lieben ihre Wohngegend. Sie machen sich aber Sorgen angesichts der geplanten Höchstspannungsleitung, die der Netzbetreiber Tennet bauen will. Denn die 380-kV-Leitung von Conneforde nach Merzen soll in Kleefeld nun vielleicht doch als Überlandleitung gebaut werden. Es wird als die „raum- und umweltverträglichere Alternative“ angesehen, wie Janina Schultze, Bürgerreferentin bei Tennet, darlegt. Ursprünglich war Erdverkabelung vorgesehen gewesen.

Barbara Thaler-Ludewigs, Anja Valentin, Sigrid Eisch-Ihlefeld und ihr Ehemann Heimbert Ihlefeld wohnen am Portsloger Damm. Kurz vor Weihnachten stellten sie eine Postwurfsendung zusammen und verteilten sie an alle Haushalte. „Uns ist wichtig, dass nicht der Eindruck entsteht, dass wir als Einzelpersonen nichts erreichen können“, begründet Sigrid Eisch-Ihlefeld ihre Motivation. Außerdem sei aufgefallen, dass viele Anwohner nach wie vor kaum Bescheid wüssten.

Geradester Weg

Der Korridor C, also der, der durch Kleefeld führt, ist der geradeste Weg nach Merzen, zwei weitere standen zur Debatte. Nach „eingehender Prüfung“, wie Tennet mitteilt, entschied man sich für diesen. „Der Ablauf war falsch herum“, findet Heimbert Ihlefeld. In seinen Augen wäre es sinnvoller gewesen, erst festzulegen, mit welcher Bauart Tennet sein Vorhaben umsetzen will – und im zweiten Schritt den Korridor auszuwählen. „Jetzt stellt man fest, dass hier eigentlich beide Möglichkeiten – Erdverkabelung und Freileitung – Probleme bereiten“, sagt seine Frau Sigrid.

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Conneforde

Janina Schultze merkt an, die Analysen hätten ergeben, „dass der Korridor C in der Gesamtbewertung nach wie vor verträglicher abschneidet als alle anderen untersuchten Korridore. Entscheidend ist dabei auch, dass die bestehende 220-kV-Leitung im Anschluss an die Inbetriebnahme der neuen 380-kV-Leitung abgebaut wird und so Ortschaften wie Friedrichsfehn entlastet werden.“ Eigentlich sieht das Bundesbedarfsplangesetz für Freileitungen einen Abstand von 200 Metern zu Wohnhäusern im Außenbereich vor. Anja Valentin deutet auf die von Tennet ausgegeben Pläne: „Der Abstand wird auf Edewechter Gebiet bei 40 Häusern verletzt. Zum Teil beträgt der Abstand weniger als 100 oder sogar 50 Meter“, ist sie empört.

Was hat es mit dem Abstand zu Wohnbebauung auf sich?

Bei einer Erdverkabelung kann die Trasse nah an Wohnhäuser gelegt werden. Bei Freileitungen gelten jedoch bestimmte Abstandsregeln für die Masten von Wohnbebauung.

Im Innenbereich, das heißt, bei im Zusammenhang bebauten Ortsteilen, ist ein Abstand von mindestens 400 Metern einzuhalten. Liegen Häuser im Außenbereich – also in Gebieten außerhalb des Geltungsbereiches eines Bebauungsplanes – sollen 200 Meter Abstand eingehalten werden.

Kleefeld – und somit auch die Straße Portsloger Damm – liegen im Außenbereich, die 200 Meter müssten gelten. Das ist jedoch eine „Kann-Bestimmung“. Wird der Abstand nicht eingehalten, können auf „technisch und wirtschaftlich effizienten Teilabschnitten“ Erdkabel gebaut werden – können, nicht müssen.

Auch Familie Valentin wäre davon betroffen. Durch eine kleine Schneise zwischen ihrem Wohnhaus und dem Gelände einer Baumschule würde sie führen, die Höchstspannungsleitung. „Und die Seile hängen stellenweise recht tief. Für Bäume ist das nicht so gut“, befürchtet Sigrid Eisch-Ihlefeld und ergänzt: „Man muss zukunftsgerichtet auf dieses Thema blicken: Ist der Trassenverlauf in 30 oder 40 Jahren noch der Richtige?“

Was nun? „Wir haben uns in einen Konflikt gesteuert“, macht Heimbert Ihlefeld klar. „Entweder wird das Moor zerstört, oder die Masten stehen zu nah an Wohnhäusern.“ Bernhard Heidrich vom Amt für regionale Landesentwicklung in Oldenburg, das die Pläne mit Tennet abstimmt, weiß von dem Balance­akt, den die Bürger benennen. Derzeit gebe es deshalb einen Antrag von Tennet auf ein sogenanntes „Zielabweichungsverfahren“ beim Landwirtschaftsministerium Hannover. Jedoch sei bislang, das gibt Heidrich auch zu bedenken, der Verlauf „nicht in Stein gemeißelt“. „Der Korridor ist knapp einen Kilometer breit. Da ist noch Platz für Optimierung.“

„Das Ergebnis des Zielabweichungsverfahrens erwarten wir in diesem Frühjahr“, sagt Janina Schultze. Damit werde der konkrete Trassenverlauf festgelegt. Das Verfahren ziehe sich einige Zeit, so dass frühestens 2023 gebaut werden könne. „Die Inbetriebnahme ist für Anfang 2026 vorgesehen“, so Schultze. Es gebe Zeitdruck, wie Bernhard Heidrich bestätigt. „Wir erzeugen im Norden Strom – und der muss irgendwie in den Süden gebracht werden.“


Das verstehen auch die Kleefelder. Aber auch bei der Verankerung der etwa 55 Meter hohen Masten im Boden befürchten sie Schäden. „35 Meter sollen die in die Tiefe gerammt werden. Und dafür braucht es großes Gerät, Baustraßen und, und, und.“ Barbara Thaler-Ludewigs ist besorgt. Denn ihr Wohnhaus ist „schwimmend“ gebaut, steht nicht auf Pfählen, sackt stetig Stück für Stück mit dem Moor ab. „Ob die Mauern die Erschütterung dieser heftigen Baumaßnahmen aushalten, kann uns keiner garantieren.“

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Kayhauserfeld

Schultze beruhigt die Anwohner: „Ziel ist es hier, den vorhandenen Boden und die Torfbereiche während der Arbeiten zu schonen. Auch in der Vergangenheit wurden Masten bereits erfolgreich in torfigen Böden eingesetzt.“ Durch das Vorgehen ließen sich Schäden in der Regel vermeiden oder, falls nötig, beheben oder entschädigen.

Kritisiert werden die Planungen auch vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND): „Der Plan ist völlig überzogen. Er bringt zu große Umwelteingriffe durch den Stromtrassenbau mit sich und ist angesichts hoher Kosten unsozial.“ Der BUND fordert daher in einer Pressemitteilung eine neue Netzplanung „basierend auf regionalen flexiblen Strommärkten mit hoher Versorgungssicherheit bei gleichzeitiger Minimierung des Ausbaubedarfs.“

Verträgliche Perspektive

Deshalb fordern die Kleefelder: „Es braucht einen Konsens zwischen Betroffenen und Netzbetreiber.“ Den stellen sie sich so vor: „Wir wünschen uns, dass Erdverkabelung dort versucht wird, wo es technisch mit den Bodengegebenheiten möglich ist – auch wenn es teurer ist“, sagt Sigrid Eisch-Ihlefeld. In Friedrichsfehn gebe es Neubaugebiete, für die schon abgetorft worden seien. „Wieso geht man nicht da durch?“, fragt sich auch Anja Valentin.

Dass die Trasse kommen wird, das wissen die Kleefelder. „Verhindern können wir den Bau nicht. Das wollen wir grundsätzlich auch gar nicht. Aber es muss eine verträgliche Perspektive für die Zukunft entwickelt werden,“ fordert Barbara Thaler-Ludewigs.

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