KLEIN HENSTEDT - „Eine der Herausforderungen, denen wir uns auf dem Hof Wendbüdel gestellt haben, ist zu zeigen, dass ökologische und ökonomische Belange bei der Bewirtschaftung und Pflege von Naturschutzflächen übereinzubringen sind.“ Und dieser Ansatz ist für Prof. Dr. Helmut Scharpf, stellvertretender Landesvorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, auf dem BUND-Hof Wendbüdel mit Erfolg umgesetzt: „Wir haben hier eine Perspektive zu zeigen: Wir können Naturschutz betreiben und parallel dazu wirtschaftlich nutzen.“
Gemeinsam mit Vertretern des BUND-Bundesvorstandes um Vorsitzenden Prof. Dr. Hubert Weiger besuchte Scharpf am Donnerstag im Rahmen einer Vorstandsbereisung in Niedersachsen den BUND-Musterhof in Klein Henstedt, wo Betriebsleiter Dr. Wulf Carius das Projektkonzept und die Hofanlagen vorstellte. Auf dem 2002 vom BUND Niedersachsen gekauften Hof wird seit Ende 2006 mit einer Biogasanlage mit Trockenfermentationstechnik gearbeitet, in der ausschließlich Grasschnitt fermentiert wird. Dieser stammt von den 140 Hektar Grünland des Hofes: „80 Prozent davon werden für die Anlage genutzt, der Rest für die Tiere auf dem Hof“, so Carius. Die Biogasanlage ermöglicht es dem BUND, Strom ins Netz einzuspeisen, aber auch die anfallende Wärme auf dem Hof zu nutzen. Von einem „optimalen Wirkungsgrad“ sprach daher Bundesvorsitzender Weiger.
Der auch sonst viel Lob fand: Als „wichtigen innovativen Schritt“ wertete es Weiger, dass wertvolles Grünland erhalten und Grünlandschnitt aus feuchten Moorlandgebieten so verwertet werde, dass es ökonomisch interessant sei. Das Projekt habe angesichts des dramatischen Rückgangs an Grünlandflächen besondere Bedeutung. Es gelte, Grünland zu erhalten als Flächentyp in Natur und Kulturlandschaft sowie als Lebensraum für Arten, die an diesen Standort gebunden seien.
Für den BUND ist das Pilotprojekt auf dem Hof Wendbüdel durchaus auch ein „Modell“ für kleinere landwirtschaftliche Betriebe. Insofern dürften die Gäste gern vernommen haben, was Projektleiter Carius sagte: „Ich denke, wir werden am Ende des Jahres so weit sein, dass es sich wirtschaftlich rechnet.“ Für die Realisierung des Projekts hatte der BUND seinerzeit ca. 360 000 Euro in die Hand genommen; das Bundesamt für Naturschutz unterstützt die Forschung bezüglich Effekten auf die Biodiversität (Vielfalt des Lebens).
