KLEIN KöHREN - Ist in der unendlichen Geschichte um den Windkraftstandort Beckeln das vorerst letzte Kapitel geschrieben? Der Rat der Gemeinde Beckeln hat in seiner Sitzung im Dorfgemeinschaftshaus Klein Köhren das Bauleitverfahren für einen Windpark am Friedeholz gestoppt. Hintergrund ist, dass nach wie vor eine Maßgabe nicht erfüllt wird, mit der vor Jahren die damalige Bezirksregierung die Planung belegte, um den im Bereich Friedeholz gesichteten Schwarzstorch zu schützen: Nötig ist danach das Einvernehmen der zuständigen Fachbehörde für Naturschutz. Bereits das ehemalige Landesamt für Ökologie hatte sein Einvernehmen nicht erteilt. Und auch der inzwischen tätige Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) stimme der Planung „aus ornithologischer Sicht weiter nicht zu“, hieß es im Beschlussvorschlag; ein Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan wäre rechtswidrig. Dem folgte der Rat mit großer Mehrheit: Nur Cord Remke und Edelhard Deepe stimmten dagegen. „Die Fakten sind klar. Die politische Entscheidung kann nur lauten: Verfahren einstellen“, gab Dietmar Klinke den breiten Tenor wieder. „Hier gibt es keinen Spielraum“, ergänzte Günter Wöbse: „Wir haben alles getan, aber sind rechtlich gebunden. Die Stellungnahmen haben Bestand.“
Remke warb vergeblich dafür, das Aufstellungsverfahren für den Bebauungsplan fortzuführen, um aktuelle Stellungnahmen der Behörden zu erhalten: „Das sind wir den Grundstückseigentümern schuldig, Bürgern, die sich vielleicht einbringen wollen, der Umwelt und denen, die viel Geld in die Planung gesteckt haben.“ Er vermisse inhaltliche Aussagen der Fachbehörden (NLWKN und Untere Naturschutzbehörde) zur Art der gesehenen Gefährdung für Schwarzstörche und zu den Ausführungen des Planungsbüros; der NLWKN habe nur auf frühere Stellungnahmen verwiesen. Samtgemeindebauamtsleiter Jens Hüfner hielt entgegen, der Landesbetrieb habe sich geäußert mit dem Hinweis, die Ausführungen der Planer zur Betroffenheit des Schwarzstorches würden nicht geteilt. Ornithologische Belange seien in den früheren Stellungnahmen erläutert. „Die Bedenken bestehen weiter.“
Beckelns Bürgermeister Heinz Nienaber hatte zuvor die „sehr lange Geschichte“ der Windkraftpläne noch mal umrissen, mit ersten Ideen schon in den 90er Jahren. Im Flächennutzungsplan der Samtgemeinde 2002 sei Beckeln als einer von vier Windkraftstandorten vorgesehen gewesen – und unerwartet mit der Maßgabe belegt worden. Einige Jahre ruhte das Thema, 2008 sei es auf Drängen der Investoren wieder aufgenommen worden. Im Verfahren habe dann der NLWKN (wenn auch auf Nachhaken) „weiterhin Bedenken geäußert“.
Keinen Hehl aus dem Unmut der Investoren machte in der Einwohnerfragestunde Karl-Heinz Rohlfs, der „vernünftige Stellungnahmen“ der Behörden vermisste. Er habe die Unterlagen für eine Einschätzung zum Umweltministerium gesandt.
