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Ausbildung Siebter Sinn der Schichtführung

KLEINENSIEL - Jan Friedrich ist in Kleinensiel angekommen. Seit Mai 2010 setzt er seine Weiterbildung im Kernkraftwerk Unterweser fort. Es handelt es sich um ein dreijähriges Qualifizierungsprogramm zum Kernkraftwerker, das der 22-Jährige im Mai 2008 im Kraftwerk Brokdorf begonnen hat.

Eine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik liegt bereits hinter dem jungen Mann aus Demmin, einem kleinen Ort in der Nähe von Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern. 1987 geboren, entschloss er sich nach der Mittleren Reife, sich bei Eon Hanse in Lübeck zu bewerben. „Es gab 1500 Leute auf 80 Stellen in verschiedenen Bereichen“, erinnert er sich. Jan Friedrich wurde angenommen. Mit 16 Jahren packte er seine Koffer und zog in den Westen.

Ein Bewerbungs-Marathon

Noch während seiner Ausbildung erfuhr er im Intranet des Unternehmens von der internen Eon-Stellenausschreibung fürs Qualifizierungsprogramm zum Kernkraftwerker – und bewarb sich. Nach einem Bewerbungs-Marathon, Auswahlverfahren und einem Einstellungsgespräch in der Zentrale in Hannover wurde er zusammen mit fünf weiteren Kandidaten übernommen, die auf sechs Kernkraftwerke verteilt wurden. Da arbeitete er bereits seit einem halben Jahr als Geselle bei der Eon Hanse.

Zu den Kerninhalten seiner Weiterbildung zählt die Kontrolle und technische Überwachung der kerntechnischen Anlage. Die Anforderungen seien vor allem im Sicherheitsbereich deutlich höher, sagt er, und dass ihm die Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik zugute komme. „Wenn man Elektrotechnik gelernt hat, ist man mit der Regeltechnik und der Steuerung vertraut.“

Kraftwerkschule in Essen

Weitere Grund- und Fachkenntnisse werden den Teilnehmern des Qualifizierungsprogramms – 20 Eon-Mitarbeiter sind es zurzeit bundesweit – in der Kraftwerkschule in Essen-Kupferdreh vermittelt. Das Grundwissen über Reaktorphysik, Strahlenschutz sowie der Aufbau von Druckwasser- und Siedewasser-Reaktoren werden dort in viereinhalb Monaten vermittelt. Alle Szenarien würden durchgespielt, sagt Jan Friedrich. In jedem Fach erfolge eine Lernzielkontrolle, abschließend eine Prüfung. Die steht ihm auch am Ende seiner zweiten Praxisphase im KKU bevor.


Jan Friedrich ist für die Kraftwerke Brokdorf und Kleinensiel eingeteilt worden. Jeder der Teilnehmer im Qualifizierungsprogramm wird an zwei verschiedenen Eon-Standorten eingesetzt. So lernen die Beschäftigten unterschiedliche Kraftwerke kennen. Ein Pool an guten Leuten sei wichtig, um qualifizierte Mitarbeiter, die nach und nach in Rente gingen, gleichwertig von eigenen Fachkräften ersetzen zu können, betont Dr. Thomas Burgdorff, Leiter des KKU-Kommunikationszentrums. Das setze ein hohes Maß an Flexibilität voraus. Nach Ende des Qualifizierungsprogramms würden die Absolventen einem Kraftwerk zugeteilt, wobei Wünsche berücksichtigt würden.

Nach der Ausbildung stehen dem 22-Jährigen die Türen offen. Er kann bis zum Schichtleiter-Vertreter aufsteigen. Das sei eine verantwortungsvolle Position, merkt er an und charakterisiert die Aufgabe lächelnd mit „Der siebte Sinn für die Schichtführung“.

Arbeiten im Schichtbetrieb

Jan Friedrich wohnt zurzeit in Tossens. Er ist von der Technik begeistert, liebt das Motorradfahren. Dass ihm sein Beruf Schichtarbeit abverlangt und die innerbetrieblichen Anforderungen 365 Tage im Jahr erfüllt werden müssen, und das im Schichtbetrieb rund um die Uhr, ficht ihn nicht an. „Man muss das akzeptieren“, stellt er sachlich fest. Wie auch das Arbeiten in einer kerntechnischen Anlage. Aber Mitarbeiter wie Jan Friedrich sind vor Ort, um die Sicherheit der Anlagen zu überwachen.

Ulrich Schlüter
Ulrich Schlüter Redaktion Brake
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