Ganderkesee - „Radlader fahren macht mir am meisten Spaß“, sagt Michael Querl (52). Sein Kollege Martin Künzel (33) kann da nur zustimmen. Der fährt problemlos das größte Modell auf dem Hof und hat die entsprechenden Fahrprüfungen gemeistert, wie sein Chef Andreas Melle, Technischer Leiter bei K-Nord in Ganderkesee, beiläufig erklärt. Was kaum ein Kunde bemerkt: Querl und Künzel sind zwei von fünf Mitarbeitern mit Beeinträchtigungen, die über die Delme-Werkstätten gGmbH den Weg zu dem Umweltdienstleister gefunden haben.
Als „Leuchtturm“ in der Unternehmenslandschaft bezeichnet Hans-Werner Aschoff, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Landkreis Oldenburg (WLO), die Firma. K-Nord setze bereits seit Ende der 1990er-Jahre das Thema „Inklusion“ für Arbeitnehmer wie für Arbeitgeber überaus positiv und erfolgreich um. Gemeinsam mit Firmenvertretern, der Kreis-Behindertenbeauftragten Rita Rockel, Helga Landsberg vom Integrationsamt und Kalle Japs von den Delme-Werkstätten wirbt die WLO am Donnerstag dafür, mehr Menschen mit Beeinträchtigungen zu beschäftigen. „Viele Vorurteile wie geringere Leistungsfähigkeit oder hohe Investitionen stimmen nicht“, sagt Aschoff.
Landsberg weist auf Eingliederungs- und Lohnkostenzuschüsse hin für Arbeitgeber, die Menschen mit Beeinträchtigungen einstellen. „Letztlich geht es um gleiche Rechte für alle Menschen“, bringt Rockel den etwas sperrigen Begriff „Inklusion“ auf den Punkt. Meist werden Menschen mit Beeinträchtigungen über Praktika an ihren künftigen Arbeitgeber vermittelt, erklärt Kalle Japs von den Delme-Werkstätten. Oft fehle es in den Firmen an Kreativität, um Hürden abzubauen.
Von einem „geduldsamen Weg“ bei der Einarbeitung spricht K-Nord-Geschäftsführer Andreas Lange. Schließlich müsse man „miteinander auskommen“. Heute seien die Mitarbeiter Michael Querl, Martin Künzel, Matthias Erxleben, Andre Mieth und Patrik Mende, die auf dem Wertstoffhof und im Kompostwerk eingesetzt werden, eine „absolute Bereicherung“. Und Andreas Melle betont: „Das Klima in der Firma hat sich positiv verändert!“
Ihren Arbeitsplatz haben sich die Fünf übrigens selbst gesucht. Künzel wollte nicht länger in einer beschützenden Werkstatt arbeiten und sprach bei K-Nord vor. Patrik Mende, der in Elsfleth wohnt, steht jeden Morgen um 4.30 Uhr auf, um zum Arbeitsplatz zu gelangen. Das Quintett wieder abzugeben, kann sich Lange nur schwer vorstellen: „Wir haben sie schließlich für uns qualifiziert.“
