Tweelbäke - Die Landwirtschaft ist bundesweit mit 7,3 Prozent an dem Gesamtausstoß klimaschädlicher Gase beteiligt. Mit Unterstützung des Landkreises Oldenburg und in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen haben 19 landwirtschaftliche Betriebe im Kreisgebiet Konzepte erarbeitet, nach denen klimaschonende Verbesserungen und Kostenreduzierungen erreicht werden können.
Wie lauten die Ziele ?
Kurz formuliert: Weniger Energieverbrauch und auch weniger Treibhausgas-Emissionen (CO², Methan, Lachgas). Kreislandvolkgeschäftsführer Bernhard Wolff spricht von einer „Win-win-Situation“. Die Landwirte und auch die Umwelt profitierten davon. Agraringenieur Ansgar Lasar, Spezialist der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Klimaschutzfragen, betont das Besondere der Maßnahmen: „Wir sind mit diesem Programm Vorreiter in Niedersachsen und ganz Deutschland.“
Können alle mitmachen ?
2017 sollen bis zu 25 weitere landwirtschaftliche Betriebe beraten werden. Mitmachen ist noch möglich,
Wie sind die Erfahrungen ?
Das Ehepaar Karin und Dirk Lüschen-Strudthoff hat auch auf Wunsch der Molkerei Ammerland den CO²-Fußabdruck seines Milch produzierenden Betriebs (135 Kühe aus eigener Zucht) am Grenzweg in Tweelbäke berechnen lassen. Die Treibhausgasemissionen liegen derzeit bei 807 Gramm CO²/Kilogramm Milch – ein guter Mittelwert.
Landwirtschaftskammer-Experte Lasar sieht dennoch Verbesserungspotenzial: durch einen Futtermischwagen soll die Milchleistung um 800 Liter pro Kuh gesteigert werden. Soja als Futtermittel soll stark reduziert werden (für den Soja-Anbau werden weltweit jährlich riesige Waldflächen vernichtet). Ein Milchvorkühler soll den jährlichen Stromverbrauch des Betriebs um 55 Kilowattstunden pro Kuh reduzieren.
Welchen Effekt hätte das ?
Nach Angaben des Experten Ansgar Lasar würden so durch den Betrieb 7 Prozent weniger Treibhausgase jährlich verursacht, konkret 546 Kilogramm CO²/Kuh. Gleichzeitig stiege der betriebswirtschaftliche Gewinn um 159 Euro pro Tier – hier ist sie wieder: die Win-win-Situation.
Wie geht es weiter ?
Die „Klimaallianz“ des Landkreises Oldenburg und des Kreislandvolks soll als „Oldenburger Modell“ jetzt auch anderen Landkreisen empfohlen werden. In Gänze betrachtet sind sämtliche Einsparmaßnahmen der Landwirte aber kein Allheilmittel im Kampf gegen den Klimawandel, betont Wolff. Dafür sei ihr Gesamtanteil von 7,3 Prozent an Treibhausgasemissionen in Deutschland zu klein. Im Energiesektor (84,5 Prozent Treibhausgase, inklusive Straßenverkehr) sei das Einsparpotenzial durch technische Lösungen viel höher (90 Prozent).
