Grabstede - Der Hof der Bockhorner Klinkerziegelei Uhlhorn in Grabstede (Kreis Friesland) ist normalerweise vollgestellt mit Paletten. Bis zu 476 Klinkersteine, 1,3 Tonnen schwer, passen auf eine Palette. Doch zurzeit ist noch ordentlich Platz bei Uhlhorn: Das Unternehmen hat den Vertrieb wieder in eigener Regie übernommen und hat gut verkauft, wie Geschäftsführer Ernst Buchow mitteilte.

Grund ist unter anderem ein Projekt in Bad Bentheim, wo Bockhorner verpflastert wurden. Uhlhorn ist die einzige verbliebene Klinkerziegelei in Bockhorn. Die Vertriebsvereinbarung mit dem Wienerberger Konzern wurde zum Jahresende 2014 aufgelöst. Der Baustoffkonzern hatte 2008 zwei der noch verbliebenen vier Bockhorner-Klinker-Ziegeleien übernommen, die Werke Bockhorn und Borgstede aber 2009 geschlossen. Seither sorgen zwei eingestellte Vertriebsmitarbeiter bei Uhlhorn dafür, dass die Bockhorner Klinker aus Grabstede zu den Kunden kommen. 20 Mitarbeiter beschäftigt das 1906 (auf dem Gelände einer bestehenden Ziegelei) gegründete Unternehmen, das in diesem Jahr 10 Millionen Klinkersteine absetzen will.

Dabei setzt Uhlhorn nicht nur auf Tradition. Der Klinker mit dem Namen „Bunt 04“, der bei Architekten und Bauherren beliebt ist, zählt nach wie vor zum Standard. Dazu gekommen sind aber braune, anthrazitfarbene oder gelbe Steine. Und der Leiter des Qualitätsmanagements, Volker Boese, experimentiert mit neuen Oberflächenstrukturen, die interessante Wirkungen erzeugen. Die Produktpalette ist aufgeweitet worden, „aber wir passen auf, dass wir uns nicht verzetteln“, sagt Geschäftsführer Buchow. Sprich: Die Zahlen müssen auch stimmen, sonst nützt das schönste Nischenprodukt nichts.

Die Lösung von dem österreichischen Konzern war „der erwartet schwere Weg, aber erfolgreich“, resümiert Buchow nach vier Monaten der Selbstständigkeit. Pflasterklinker und Vormauersteine aus Bockhorn haben in Hamburg und Schleswig-Holstein einen guten Klang. Der Fritz-Höger-Preis – Buchow ist Vorsitzender einer Klinker-Marketing-Arbeitsgemeinschaft – soll dafür sorgen, dass der Backstein im Norden weiter verbaut wird und Hamburg eine Backstein-Stadt bleibt.

Die zweischalige Bauweise habe ihre Vorteile gegenüber den Wärmeverbundsystemen, das sei eine Frage der Nachhaltigkeit, sagt Buchow über die Vorzüge. Dafür braucht es eine intensive Vorbereitung: Materialauswahl, das Formen der Rohlinge, Trocknung und schließlich der fünf Tage dauernde Brand im 126 Meter langen Tunnelofen sind die Voraussetzungen dafür.