KOBLENZ - Der beschleunigte Ausbau der erneuerbaren Energien darf nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht auf Kosten der Lebensmittelproduktion in der Landwirtschaft gehen. Die Priorität laute „Nahrungsmittel vor Treibstoff und Energie“, sagte Merkel am Donnerstag beim Bauerntag in Koblenz.

Die Kanzlerin sagte, es sei zu vermeiden, dass Monokulturen sogenannter Energiepflanzen entstehen: „Nur noch Maisfelder, nur noch Rapsfelder, das darf es nicht geben.“ Merkel stellte in Aussicht, dass beim Bau neuer Stromtrassen wegen des Atomausstiegs in Deutschland Vorschriften für größere still zu legende Ausgleichsflächen gelockert werden könnten.

Mit Blick auf die Energiewende sagte Merkel, der Flächenverbrauch und die landwirtschaftliche Nutzung müssten in eine Balance gebracht werden. Beim Ausbau der nötigen Infrastruktur dürften nicht zu viele Ausgleichsmaßnahmen abverlangt werden, da eine Windkraftanlage nicht wie ein Haus zu behandeln sei.

Derweil fordern die deutschen Bauern nach der EHEC-Krise mehr Ausgleichszahlungen für die Ertragsausfälle. Es sei ärgerlich, dass die Betriebe maximal die Hälfte ihres Schadens ersetzt bekämen, sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner. Viele Gemüsebetriebe seien in Existenznot geraten. Alle Gemüse- und Salatproben seien negativ gewesen.

Die Behörden hatten zum Schutz vor der Infektion durch den Darmkeim EHEC zunächst vor Salat, Tomaten und Gurken gewarnt – daraufhin brach der Gemüsemarkt ein. Von der EU gibt es für die Bauern insgesamt 210 Millionen Euro. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) forderte ein zusätzliches Hilfsprogramm des Bundes.