Hollen - Gemeinsam zu kochen und anschließend in geselliger Runde gut zu essen ist eine Sache – leckere Gerichte jedoch aus Zutaten zuzubereiten, die nicht eigens eingekauft, sondern je nach Angebot verwertet werden, eine ganz andere. Die zehn Mitglieder der Gruppe „Kirche kocht“ um Pastorin Uta Brahms haben sich bei ihrem jüngsten Treffen eben dieser Herausforderung gestellt. Am Montagabend stand die Gruppe nicht wie üblich im Ev. Gemeindehaus am Herd, sondern im Umweltzentrum Hollen (RUZ).
„Wirf mich nicht weg – Dein Essen“ heißt ein Projekt, das dort von Mitarbeiterin Claudia Kay betreut wird. Sie ging im Theorieteil zunächst auf Lebensmittelverschwendung und -verwertung ein und gab den Hobbyköchen Tipps zu einer effizienten Vorratshaltung an die Hand.
„Wir wollen nicht immer nur im eigenen Saft schmoren, sondern über den Tellerrand schauen“, begründete Uta Brahms die Exkursion zum RUZ. Ihre Kochgruppe entstand vor einem Jahr aus dem Projekt „Biblisch kochen“. Etwa sechs oder sieben Mal jährlich, in unregelmäßigen Abständen, habe sich die Gruppe, die aus fünf Paaren besteht, seither getroffen. Nicht nur in ihrer eigenen Familie hat Uta Brahms beobachtet, dass üblicherweise zunächst überlegt wird, was auf den Tisch kommen soll und anschließend eingekauft und gekocht wird – Letzteres oft in allzu üppiger Menge, was zur Folge habe, dass Speisen am Ende entsorgt würden.
Schockiert habe sie am Abend im RUZ eine Grafik zu den Gründen, warum Lebensmittel entsorgt würden, berichtete die Pastorin der ev.-luth. Kirchengemeinde Ganderkesee. 20 Prozent der Befragten hätten angegeben, Produkte zu entsorgen, weil sie „keine Lust mehr“ darauf hätten. Umgerechnet 200 bis 260 Euro pro Kopf und Jahr würden in Gestalt von entsorgten Zutaten und Gerichten im Abfall landen.
Dass sich aus Lebensmitteln, die entweder das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht oder optische Makel haben, ein opulentes Menü zubereiten lässt, haben die zehn Hobbyköche am Montagabend in der Küche des Umweltzentrums erfahren. Auf den Tisch kamen Brotchips als Appetithäppchen, ein Birnen-Walnuss-Salat, Tomate-Mozzarella-Auflauf, Steckrüben-Gemüse-Lasagne, Smoothies und Obstsalat mit Joghurt.
Der Abend sei somit nicht nur informativ, sondern auch noch sehr sättigend gewesen, sagte Uta Brahms. Sie plant bereits das nächste öffentliche Kochereignis in der Kirchengemeinde: An Allerheiligen, 1. November, möchte sie mit Interessierten nach Hildegard von Bingen kochen. Dann werden Kräuter und die gesunde Urform des Weizens, Dinkel, auf dem Speiseplan stehen.
