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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Tintenfüller lässt sich nicht killen

18.08.2018

Köln Was macht der gute alte Füllfederhalter im digitalen Zeitalter? In vielen Schulen ist der Umgang mit dem Füller nach wie vor fester Bestandteil des Lehrplans. Allein rund 1,6 Millionen Schul- und Jugendfüller verkauft der Handel Branchendaten zufolge jedes Jahr – eine kleinere Zahl an Erwachsenenfüllern kommt hinzu.

Dabei könnte man meinen, dass die Menschen in Zeiten von Smartphone und E-Mail immer weniger mit der Hand schrieben – und wenn, dann mit dem Kugelschreiber. Und dass eines Tages der Umgang mit digitalen Medien im Unterricht eine größere Rolle spielen könnte als das Schreiben mit der Feder.

„Es lässt sich schon feststellen, dass sich die feinmotorischen Fähigkeiten bei Kindern verändert haben“, sagt Beate Oblau, Geschäftsführerin bei Lamy, dem Marktführer bei Schul- und Jugendfüllern. „Was Kinder heute als erstes können, ist das Wischen auf dem Smartphone.

Trotzdem läuft bei Lamy das Kerngeschäft mit den Schul- und Jugendfüllern blendend. Zwischen 2009 und 2016 steigerte allein das Heidelberger Unternehmen den Umsatz von knapp 46 auf rund 112 Millionen Euro.

„Das Unternehmen bleibt seiner Kernkompetenz treu“, sagt Thomas Grothkopp, Geschäftsführer des Handelsverbands Büro und Schreibkultur. „Der digitale Wandel ist beim Thema Schreiben lernen noch nicht derart auf dem Vormarsch wie anderswo“, ergänzt Oblau. „Das liegt auch daran, dass die Schulen häufig noch gar nicht entsprechend ausgestattet sind.“

Turbulenter ging es in den vergangenen Jahren bei Pelikan zu, Lamys Hauptkonkurrent bei Füllern für das Schul- und Jugendsegment. Das in Berlin ansässige Unternehmen gehört inzwischen einem malaysischen Konzern und vertreibt mittlerweile eine deutlich breitere Produktpalette als Lamy. „Da spielt inzwischen der Füller im Gesamtsortiment keine so bedeutende Rolle mehr“, sagt Grothkopp.

Und trotzdem: Das Geschäft mit der Edelfeder boomt – auch in Zeiten von Whatsapp und Facebook. Der Gesamtumsatz mit Füllfederhaltern stieg zwischen 2014 und 2017 um sechs Millionen auf rund 153 Millionen Euro, wie Daten der Marktforschungsfirma Marketmedia 24 besagen. Für 2019 erwarten die Analysten einen Anstieg auf 160 Millionen Euro.

Davon profitieren nicht nur die Hersteller, deren Kerngeschäft auf Schulfüllern beruht. Beispiel: Das Hamburger Unternehmen Montblanc wurde Anfang der 1990er Jahre vom Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont übernommen. Seither spezialisiert man sich auf Füllfederhalter, die beim Preis über 300 Euro anfangen und deutlich über eine Million Euro kosten können. Das läuft besonders gut. „Wir haben beim Absatz in Deutschland in den vergangenen Jahren im zweistelligen Prozentbereich zugelegt“, sagt Oliver Goessler, zuständig für das Nordeuropa-Geschäft von Montblanc.

„In einer Zeit, in der immer weniger geschrieben wird, muss das Schreibgerät, mit dem man unterschreibt oder einen Brief aufsetzt, etwas Besonderes sein“, sagt er. Dieser Trend habe sich verfestigt.

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