Nordenham - Zum Schutz einer der größten Seevogelkolonien in der Wesermarsch haben Mitglieder und Mitarbeiter des Naturschutzvereins Nordenham eine wahre Herkulesaufgabe bewältigt: Sie beförderten unter anderem 35 Tonnen Kies in Schubkarren auf eine Insel im Seenpark IV.
Der Naturschutzverein Nordenham betreut die Seeschwalbeninseln im Seenpark II und den Seenpark IV, der wenige hundert Meter vom Seenpark II entfernt auf der nördlichen Seite des Sandinger Weges liegt: eine große Seen-, Röhricht- und Wiesenlandschaft.
Im Seenpark II und IV befinden sich zwei Vogelkolonien von überregionaler Bedeutung. Auf den Inseln im Seenpark II brüten Jahr für Jahr rund 100 Paare der Flussseeschwalbe. Die ist bundesweit so selten geworden, dass sie längst auf der Roten Liste der in ihrem Bestand bedrohten Vogelarten steht.
100 Paare in Nordenham
In ganz Deutschland brüten noch rund 4500 Paare. Tendenz abnehmend. Davon 100 in Nordenham. Die Brutkolonie im Seenpark II entspricht dem gesamten Brutbestand im Bundesland Bayern. Seevögel brüten auf flachem Grund. Sie mögen kein Gestrüpp. Deshalb legen die Naturschützer regelmäßig Hand an, um die Brutflächen zu pflegen.
Diesmal haben sie auf der großen Insel im Seenpark IV laut Pressemitteilung rund 400 Quadratmeter Teichfolie verlegt und 35 Tonnen Kies darauf gekippt. Weil es um Naturschutz geht, ist die Firma Lonecke dem Verein beim Preis für die Folie stark entgegen gekommen.
Im Seenpark IV nisten vor allem Lachmöwen. Es sind inzwischen einige hundert Paare. Damit ist das eine der größten Lachmöwenkolonien in Niedersachsen. Im Sommer sieht man manchmal von der Bundesstraße aus weiße Vogel-Wolken aufsteigen.
Das sind die Möwen, die sich laut zeternd erheben, wenn sie gestört werden. Lachmöwen sind nicht selten, bieten aber ein spektakuläres Naturschauspiel. Dem Naturschutzverein geht es aber vor allem um Arten, die sich am Rande der Möwenkolonie ansiedeln: Schwarzhalstaucher unter anderem.
Naturschützer hoffen
Insbesondere aber haben die Naturschützer die Hoffnung, dass sich die Seeschwalbenkolonie vom Seenpark II auf den Seenpark IV ausbreitet. Der Seenpark IV ist einer der artenreichsten Orte in der gesamten Wesermarsch. Dort brüten nicht nur Möwen, sondern auch Graugänse und Kanadagänse und verschiedene Entenarten, darunter Reiherente, Tafelente und Pfeifente.
Zur Zugzeit rasten dort Hunderte von Wattvögeln, und im Winter halten sich zahlreiche nordische Gänse dort auf. „Wir wollen dieses Paradies bewahren“, sagt Peter Nottelmann, Vorsitzender des Vereins. Dafür kann man dann auch mal lange Arme und zwickende Muskeln in Kauf nehmen.
