Butjadingen - Der Rat hatte die Fläche schon im März des vergangenen Jahres mehrheitlich zu den Akten gelegt. Und vor drei Wochen hatte sich die InnoVent Planungs GmbH & Co. KG mit Sitz in Varel auch vom Planungs- und Umweltausschuss eine Absage eingefangen. Donnerstagabend folgte nun die Kehrtwende: Der Rat hat mehrheitlich beschlossen, dass in Niens doch ein Windpark entstehen darf.
Neun Ratsmitglieder sprachen sich dafür aus, dem Antrag der Vareler Investoren stattzugeben. Das war bei sieben Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen die Mehrheit.
Im Planungsausausschuss hatte InnoVent-Geschäftsführer Dirk Ihmels Ende November allerlei Argumente angeführt, um den Politikern den Windpark in Niens schmackhaft zu machen. Die zündeten zwar nicht so sofort, wirkten dafür aber offenbar nachträglich. Dr. Hans Hortig (Unabhängige) ging in seinem Redebeitrag im Gemeinderat vor allem auf die Möglichkeit ein, dass sich an dem Windpark auch Bürger finanziell beteiligen können. Das hatte Dirk Ihmels im Fachausschuss angeboten.
Der Vareler Investor hatte dabei Bürgerinnen und Bürger, die im Umfeld des geplanten Windparks wohnen, im Sinn gehabt. Der Rat möchte aber, dass alle Butjadinger sowie auch die Kurgesellschaft die Möglichkeit erhalten, an dem Windpark Anteile zu erwerben. Das soll nun auch vertraglich fixiert werden.
Im März 2014 hatte der Gemeinderat die Fläche in Niens unter anderem mit der Begründung abgelehnt, dass ein Windpark sich dort zu dicht an der Schutzzone des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer sowie an touristischen Einrichtungen befinden würde.
Ina Korter enthält sich
Bürgermeisterin Ina Korter listete diese Gegen-Argumente am Donnerstag noch einmal auf. Andererseits sei sie eine „absolute Befürworterin der Windkraft“ und müsse zudem an die Finanzen der Gemeinde denken. Sie werde sich angesichts dieses Zwiespalts der Stimme enthalten, kündigte die Bürgermeisterin schon im Vorfeld der Abstimmung an.
Bauamtsleiter Axel Linneweber führte aus, dass die Firma InnoVent Anlieger dazu befragt habe, wie sie zu der Planung stehen. Die Resonanz sei sehr positiv gewesen, und das gehe auch aus Mails hervor, die die Gemeinde erhalten habe.
Matthias Schulz hingegen, Vorstandsmitglied der Bürgerinitiative Gegenwind, die sich vor allem aus Protest gegen die geplanten Windparks in Düke und Kampen gegründet hatte, glaubt, dass das nur die halbe Wahrheit ist. Er geht davon aus, dass etliche Bürger gegen die Windparkplanung der Gemeinde klagen werden. Die Bürgerinitiative sei „überhaupt nicht davon begeistert“, dass nun auch Niens wieder im Rennen ist. Matthias Schulz hat die Sorge, dass der Rat mit seiner Entscheidung weiteren Investoren Tür und Tor geöffnet hat.
Drei 150-Meter-Anlagen
Geplant sind in Niens drei Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von bis zu 150 Metern. Realisieren will den Park die InnoVent WP Niens GmbH + Co. KG, die ihren Sitz laut Dirk Ihmels in Butjadingen hat und deren Gesellschafter hiesige Grundstückseigentümer sind.
Ehe diese Gesellschaft zum Zuge kommt, müssen weitere politische Beschlüsse fallen. Notwendig sind laut Axel Linneweber die Aufstellung eines Bebauungsplans sowie eine Änderung des Flächennutzungsplans.
