Bad Zwischenahn - Die Mietpreisbremse? „Uns trifft sie nicht, weil wir per se niedrige Mieten haben“, sagt Heiner Pott, Direktor des Verbands der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (VDW) Niedersachsen und Bremen am Donnerstag im Gespräch mit dieser Zeitung. Doch wenn 160 Vertreter aus der Branche zusammenkommen, wie derzeit bei den 35. Zwischenahner Gesprächen im Seehotel Fährhaus, wird sie natürlich dennoch diskutiert.

Eine „politische Symbolaktion“ nennt sie Pott: gut gemeint, aber mit negativen Auswirkungen. „Die Wirkung ist fatal, weil die Mieten vorher noch schnell erhöht werden.“ Die eigentlich zu schützenden Mieter mit niedrigem Einkommen wären die Leidtragenden. „Was wir brauchen, ist mehr Wohnraum“, meint Pott, und formuliert damit quasi den eigenen Auftrag.

Doch auf dem Weg zur Erfüllung stehen aus der Sicht des Verbandsdirektors zu viele Hürden im Weg. So gebe es zu wenig sofort verfügbare Grundstücke. Ein Problem sieht er weiterhin in hohen Baukosten, die kaum über sozial verträgliche Mieten zu refinanzieren seien. Seine Idee ist neben der Förderung des Landes ein Zuschuss durch die Städte und Gemeinden, so wie es in Hannover bereits praktiziert werde. „Aber natürlich weiß ich auch um die finanziellen Nöte der Kommunen“, so Pott.

Dass sich auf jeden Fall etwas ändern muss, weil die Gesellschaft im Wandel ist, ist das Leitthema des diesjährigen VDW-Treffens. So präsentierte Professor Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin, seine These vom Ende der Sozialen Marktwirtschaft. Ein zu ungleich verteiltes Vermögen, ungleiches Lohnwachstum und fehlende Bildungschancen für ganze Bevölkerungsgruppen sind seine Indikatoren dafür. „Sechs Prozent Wirtschaftsleistung sind dadurch von 1990 bis 2010 verloren gegangen“, so Fratzscher. Ein wichtiger Teil der Lösung ist aus seiner Sicht die qualitative Aufwertung der Bildung und mehr soziale Durchlässigkeit in diesem Bereich.

An diesem Freitag werden die Zwischenahner Gespräche fortgesetzt.

Patrick Buck
Patrick Buck Redaktion Oldenburg (Stv. Leitung)