Von Thorsten Kuchta
Frage:
Mediation in Unternehmen – was muss ich mir darunter vorstellen?Dannemann:
Es geht darum, Konflikte in Unternehmen als Chance zu begreifen, gemeinsam etwas zu lernen. Konflikte zeigen, dass etwas nicht stimmt – wenn man bereit ist, an dieser Stelle mit professioneller Hilfe genau hinzuschauen, kann man die Kommunikation im Unternehmen entscheidend verbessern.Frage:
Nennen Sie doch bitte konkrete Beispiele.Dannemann:
Ein typisches Problem: Abteilungen arbeiten nicht gut miteinander, blockieren sich gegenseitig. Das kann daran liegen, dass die Abteilungsleiter, nehmen wir mal Logistik und Auslieferung, nicht auf gleichen Positionen arbeiten. Das wird geneidet, führt zu Dissonanzen. Oder: Ein Bauunternehmen bekommt einen neuen Chef, der den Vorarbeiter – eine bewährte, unverzichtbare Stütze des Betriebs – oft auf der Baustelle besucht, um die Arbeitsabläufe kennen zu lernen. Der Vorarbeiter arbeitete unter dem alten Chef völlig autonom – und fühlt sich jetzt gegängelt und kontrolliert. So etwas kann eskalieren.Frage:
Und die Lösung?Dannemann:
Der Flaschenhals ist, dass die Gefühle auf den Tisch müssen. Das muss professionell und mit Fingerspitzengefühl moderiert werden. Erst wenn das passiert ist, kann auf rationaler Ebene nach Lösungen gesucht werden. Angst, Wut, Verletzungen können mächtig im Wege stehen.Frage:
Wie ist die Nachfrage aus Unternehmen?Dannemann:
Ich erlebe verhaltenes Interesse. Niemand in der Wirtschaft sagt gern: Ich habe ein Problem in der Firma. Doch vor allem international tätige Unternehmen lernen von Partnern in den USA: Dort tut man alles, um Probleme nicht vor Gericht auszutragen. Zudem setzt sich langsam die Erkenntnis durch, Mediation als Teil der Personalentwicklung zu begreifen. Und: Oldenburg ist mit dem Mediationstag und dem Mediationszentrum bundesweit Vorreiter.Das neue Mediationszentrum in Oldenburg vermittelt auch Angebote für Unternehmen. Dazu Unternehmensberater und Mediator Helmut Dannemann, Vorsitzender des Trägervereins.
