Wildeshausen - Bisher ging es immer nur steil nach oben. Seit dem Jahr 2000 stieg die Zahl der Einwohner im Landkreis fast um 8000 auf 127 700. Das zumindest sagen die offiziellen Zahlen der Landesbehörde für Statistik. Doch bereits die ersten Zensusauswertungen haben gezeigt, dass der Landkreis mehr als 2000 Einwohner weniger hat.

Anhand der aktuell verfügbaren Statistiken stellte Amtsleiterin Ina-Maja Lemke-Hadick am Dienstag in einer Doppel-Ausschusssitzung die Entwicklung für die kommenden Jahre vor. „Wir werden weniger, bunter und älter“, so die Amtsleiterin.

Seit 2003 bereits gäbe es ein Geburtendefizit. 2012 starben immerhin 311 Personen mehr als neue Landkreis-Bewohner zur Welt kamen. Aber seit Jahren profitieren die Gemeinden von einem steten Zuzug. 2012 waren es 435 Personen, so dass der Landkreis noch leicht bei der Einwohnerzahl zulegte.

Viele Neubürger kommen aus dem Ausland, vor allem aus Polen, Rumänien, Bulgarien und dem Irak, so Lemke-Hadick. Aktuell liegt der Ausländeranteil im Kreis bei fünf Prozent.

Viele Neubürger kommen aber auch aus dem Umland. In der Altersgruppe zwischen 30 und 50 Jahren ist der Kreis vor allem für Menschen aus Oldenburg (Saldo plus 455 Personen), Delmenhorst (308) und Vechta (297) interessant. Auch bei allen anderen Altersgruppen, so Lemke-Hadick, sah der Saldo in den vergangenen Jahren positiv aus – mit Ausnahme der 18- bis 25-Jährigen. Viele ziehen zur Ausbildung weg. „Wir müssen dafür sorgen, dass sie wiederkommen“, meinte Landrat Frank Eger.


Auch wegen des Wegzugs der jungen Menschen steigt das Durchschnittsalter. 2009 lag es bei 42,2 Jahren, aktuell bei 43,6 und 2031 bei 48,2. „Der Landkreis ist damit im Schnitt älter als der Landesdurchschnitt“, so Lemke-Hadick. „Wir sind aber nicht überaltert, sondern unterjüngt.“

Dramatisch verschieben werden sich die Anteile der Altersgruppen. Die Gruppe Ü-65 wird von 18,8 Prozent (2009) auf 29,2 Prozent (2031) zunehmen. Die Gruppe im klassischen Erwerbstätigen-Alter sinke hingen von 59 Prozent auf 53,9. Da zudem die Zahl der Auspendler mit 28 500 mehr als doppelt so hoch ist wie die der Einpendler (13 000), stecke der Landkreis besonders in einer Wettbewerbssituation.

„In der Stadt Oldenburg entstehen 1000 neue Single-Wohnungen. Das bedeutet für uns Konkurrenzkampf“, so Eger. „Jeder Bürger, der bei uns wohnt, bringt Geld. Jeder, der hier wohnt und arbeitet, bringt noch mehr Geld.“ Es müsse umgedacht werden. Die Gemeinden sollten keine 1000-Quadratmeter-Grundstücke mehr anbieten, sondern das, was der Markt nachfrage. „Single-Wohnungen gehen weg wie geschnittenes Brot.“

In einer Arbeitsgruppe mit der Kreispolitik sollen nun die Handlungsfelder erarbeitet werden.

Jasper Rittner
Jasper Rittner Chefreporter Oldenburg-Stadt/Ammerland