Herr Schilberg, Sie haben mit Ihrer Projektgruppe einen Flyer zu umweltbewusstem Einkaufen gestaltet – ist Bio-Ware für die meisten nicht viel zu teuer?
Hans-joachim SchilbergNein. Auf den ersten Blick erscheinen Produkte von Hofläden oder Märkten teurer als konventionelle Produkte. Doch der Schein trügt: In den Verkaufspreis der Massenware werden Folgekosten der Produktionsbedingungen zu Lasten von Mensch und Umwelt nicht eingerechnet.
Wenn ich außerdem anfange meinen Konsum zu hinterfragen – was brauche ich wirklich? Kann ich nicht auch mit weniger zufrieden sein? Kann ich mir bestimmte Gegenstände nicht auch von Nachbarn leihen? – dann kann ich Geld sparen und mir so Lebensmittel leisten, die ich mit meiner Ethik vereinbaren kann.
Wenn ich umweltbewusst einkaufen möchte – darf ich dann noch in den Supermarkt gehen?
Hajo SchilbergSie können ja mal im normalen Supermarkt nachfragen, woher das Hühnchen kommt und wie es gelebt hat. Wenn Sie keine zufriedenstellende Antwort bekommen, sollten Sie vielleicht überlegen, ob das so richtig ist und ob man bei Dumping-Löhnen und Massentierhaltung ein reines Gewissen halten kann. Natürlich findet man aber auch gute Produkte im Supermarkt. Supermärkte erkennen zunehmend den Wunsch des Verbrauchers nach Regionalität und Bioqualität, halten jedoch nur ein begrenztes Kontingent in dieser Kategorie vor.
Nutzen Sie noch das Auto zum Einkaufen?
Hajo SchilbergIch mache fast alle Besorgungen mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Bei größeren Dingen wie Wasserkästen leihe ich mir einen Fahrradanhänger bei einem Nachbarn aus. Das Auto nutze ich zum Einkaufen nur, wenn ich gerade sowieso damit unterwegs bin, zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit. Dann kaufe ich auch schon mal für Nachbarn mit ein. Jede zusätzliche Fahrt vermeide ich.
Wie kaufe ich umweltbewusst ein?
Hajo SchilbergErstmal sollte man darauf achten, wie Produkte verpackt sind. Auf dem Markt kann man alles in mitgebrachte Beutel packen. Bei Getränken sollte man darauf achten, dass man Mehrwegflaschen kauft. Dann sollte man schauen, wie viel Chemie in den Produkten enthalten ist. Bei Kleidung ist es natürlich viel schwerer herauszufinden, wie sie produziert wurde. Man kann jedoch auf entsprechende Labels achten, die darüber Auskunft geben, wie und wo die Ware produziert wurde und welche Schadstoffe enthalten sind. Kauft man Second-Hand, ist man auf der sicheren Seite, denn es wird nicht extra etwas neu produziert.
Das klingt sehr aufwendig. Ist es nicht sehr anstrengend, das alles so umzusetzen?
Hajo SchilbergAnfangs ist es vielleicht viel Arbeit. Es ist wie mit dem Führerschein: Erst fällt es einem schwer, alles in den Griff zu kriegen. Irgendwann wird es aber immer einfacher. Es verselbstständigt sich. Beim Konsum ist das nicht anders: Zuerst braucht man viel Zeit zum Recherchieren und Umgewöhnen. Dann läuft es wie von selbst. Wenn ich einen Sinn und positive Effekte für mein Leben und mein Umfeld erkenne, fällt es mir auch leicht die Anstrengungen zu tragen.
