Frankfurt - Bankkunden in Deutschland müssen ihr Recht auf ein Girokonto offenbar oft teuer bezahlen. Für „Jedermann-Konten“, die auch Obdachlosen und Flüchtlingen Zugang zum bargeldlosen Zahlungsverkehr ermöglichen sollen, verlangen etliche Institute hohe Gebühren. „Die Marktbeo­bachtung zeigt, dass das Basiskonto in aller Regel nicht das günstigste Kontomodell ist“, bilanziert Verbraucherschützerin Carmen Friedrich vom Netzwerk Marktwächter Finanzen. „Da sich das Angebot vor allem an sozial Schwächere richtet, muss man sich schon fragen, ob Gebühren von zehn Euro oder mehr angemessen sind.“

Seit dem 19. Juni hat in Deutschland quasi jeder Rechtsanspruch auf ein Girokonto. Mit dem Zahlungskontengesetz wurde eine EU-Richtlinie umgesetzt. Einzige Voraussetzung für die Einrichtung eines Basiskontos ist, dass man sich legal in der Europäischen Union aufhält.

Der Konteninhaber erhält eine Bankkarte und darf Geld überweisen. Überzogen werden kann ein solches Konto nicht. Profitieren sollen von der Neuregelung nach früheren Angaben etwa eine Million Menschen.

Zahlen, wie viele „Jedermann-Konten“ in den vergangenen sechs Monaten eröffnet wurden, gibt es aus der Branche kaum. Wie bei der Commerzbank heißt es oft in der Branche: Ablehnungen gab es wegen nicht ausreichender Legitimation oder eines bestehenden Girokontos.

Hat der Gesetzgeber ein Problem behoben, das es nicht gab? „Für die Deutsche Kreditwirtschaft ist mit dem zum 19. Juni 2016 eingeführten Recht von Verbrauchern auf ein Basiskonto in Deutschland kein Neuland betreten worden“, bekräftigt die Dachorganisation der fünf großen Bankenverbände. Die Kreditinstitute böten seit 1995 ein „Girokonto für jedermann“ an. Das gilt auch im Raum Weser-Ems.


Dass Basiskonten meist teurer sind als andere Kontomodelle, hält die Branche wegen des höheren Aufwands etwa für Prüfungen und Erreichbarkeit für angemessen. Sonst drohe Subventionierung durch andere Kontoinhaber, erklärte die Deutsche Kreditwirtschaft. Bei der Postbank hieß es, man sei „der Auffassung, dass diese Aufwendungen das für das Giro-Basiskonto vorgesehene Entgelt von monatlich 5,90 Euro gegenüber 3,90 Euro für das Postbank Giro plus rechtfertigen“.

Gleichwohl mahnte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) im September fünf Banken und eine Sparkasse wegen ihrer Preisgestaltung beim Basiskonto ab.