Bösel - „Wir sind etwas spät dran“, sagt Heinz Kosanke. Viele Kraniche haben bereits ihre Reise in den Süden fortgesetzt. Zudem geht die Sonne bald unter. Er weiß, wo die Vögel im Vehnemoor Station auf ihrem Weg aus dem Norden machen. Seit vielen Jahren beobachtet er sie dabei.
Hinter Petersdorf biegen wir in den Lutzweg ab. Auf der linken Seite, verrät Heinz Kosanke, rasten sie gerne. Er lässt das Fenster des Autos herunter und hört einen Kranich rufen. Nur sehen kann man ihn nicht. „Es sind sehr scheue Tiere“, sagt der Diplom-Geograf, der seit 25 Jahren beim Landkreis Cloppenburg angestellt ist. Langsam fährt der Böseler weiter, holt hin und wieder das Fernglas hervor. Schließlich entdeckt er sie. In weiter Ferne rasten die Vögel auf einem Stoppelfeld und suchen nach Nahrung. „Das ist nahe an der Korsorsstraße“, sagt der Böseler und lenkt das Auto in die Richtung. Er schaltet das Licht aus, um die Vögel nicht zu verscheuchen. Doch schon flattern die sieben Tiere in die Luft. „Die Fluchtdistanz beträgt 300 bis 400 Meter“, erklärt Heinz Kosanke. Deshalb sollte man immer Distanz wahren.
Die ältesten Nachweise von Kranichen gibt es seit dem Ende des 19. Jahrhunderts im Vehnemoor, hat Heinz Kosanke recherchiert. Das Vehnemoor scheint sich in den vergangenen Jahren zu einem echten „Hotspot“ entwickelt zu haben. Die jüngste Synchronzählung der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Oldenburg habe 1599 Kraniche ergeben, 2007 waren noch rund 640 beobachtet worden.
Im Vehnemoor finden sie genug Nahrung, um Kräfte zu tanken auf ihrem langen Weg in den Süden. „Die Bedingungen sind für sie ideal.“ Denn wenn sie sich satt gefressen haben an Würmern und Insekten, gehen sie zum Schlafen in die Moorflächen. Dort sind sie sicher vor Feinden wie Füchsen oder Mardern.
Wir fahren weiter, biegen in die Georg-Schumacher-Straße ab und halten. Von hier aus habe man einen wunderbaren Blick, sagt Heinz Kosanke. Kaum die Tür geöffnet, macht er in der Ferne die Rufe der Vögel aus. Nicht nur Kraniche, auch Blessgänse, Saatgänse, vereinzelt Graugänse oder Singschwäne fühlen sich im Böseler Vehnemoor wohl.
Heinz Kosanke, der auch Vorsitzender des Heimatvereins Bezirk Am Bahnhof ist, baut das Spektiv auf und schaut gebannt über die wiedervernässten Flächen des Moores. Zusehends wird es dunkler. Um immer mehr Gänse fliegen in das Moor ein, ziehen über unsere Köpfe hinweg in Richtung Dustmeer – einem Stückchen unberührter Hochmoor-Landschaft. Zunächst in kleineren Gruppen, dann immer größere, schließlich machen sich hunderte Vögel wie große schwarze Flecken am Himmel aus. „Hier ist ganz schön was los, oder?“, sagt Heinz Kosanke.
Ein ausgeklügeltes System sorge dafür, dass die Flächen wiedervernässen können, erklärt Heinz Kosanke. Weil ein Höhenunterschied von rund fünf Metern besteht, mussten Polderdämme aufgetürmt werden, die dafür sorgen, dass sich das Wasser gleichmäßig verteilen kann. Im Hintergrund blinken die Signallichter aus dem Windpark im Kündelmoor, in weiterer Entfernung sieht man sogar die Lichter aus dem Saterländer Windpark. „Die Vögel stören sich nicht daran“, ist Heinz Kosanke überzeugt, „die sind weit genug entfernt.“
