Hude - Als „sehr korrekt, zuverlässig und wissbegierig“ beschreibt Thomas Sprock, Geschäftsführer der Firma Urban in Wüsting, seine chinesischen Geschäftspartner. Das Unternehmen stellt Fütterungsautomaten für Kälber her und ist weltweit in 60 Ländern tätig, seit 2010 auch in China. Mit seinen Produkten stoße die Firma in eine Nische, zudem werde die Qualität aus Europa und vor allem aus Deutschland auch im Reich der Mitte sehr geschätzt.
„Den Kontakt zu unserem jetzigen Händler haben wir auf einer Messe in den USA bekommen“, berichtet Sprock. Doch in China Fuß zu fassen, ist nicht ganz leicht: „Gewisse Produkte werden vom Staat gefördert und subventioniert, dafür müssen sie jedoch auf einer Liste stehen“, erklärt Sprock. Und damit die Produkte von Urban auf diese Liste kamen, waren gute Kontakte nötig.
Zweimal war Sprock bereits geschäftlich in China, besonders beeindruckt hat ihn die Gastfreundschaft: „Wir wurden gleich bei der Ankunft empfangen, abgeholt und überall hingefahren. Den Chinesen ist es besonders wichtig, auch ihre Kultur zu zeigen, es geht nicht nur um das Geschäftliche“, berichtet der 43-Jährige.
So wurden unter anderem die chinesische Mauer und das Olympiastadion von 2008 in Peking besichtigt. Auch die Spezialitäten der chinesischen Küche wurden gezeigt: „Das ist nicht vergleichbar mit dem, was es hier in Deutschland in einem China-Restaurant gibt.“
Nicht nur im kulturellen Bereich, auch in der Struktur der landwirtschaftlichen Betriebe zeigten sich Unterschiede: „Die Betriebe in Deutschland und Europa sind noch sehr bäuerlich und familiär geführt, in China ist alles schon sehr industriell“, stellt Sprock fest. Zum Vergleich: Die größten Betriebe in Deutschland halten um die 1000 Kühe, in China um die 100 000.
Gerade dort sind automatisierte Fütterungssysteme, die die Tiere 365 Tage lang zuverlässig versorgen, interessant. Der Verkauf der Geräte nach China barg allerdings eine weitere Herausforderung: Die Mitarbeiter der Betriebe sprechen kein oder nur gebrochenes Englisch und können auch unsere Schriftzeichen nicht lesen. „Unsere Displays waren zudem nicht für chinesische Schriftzeichen ausgelegt. Wir setzen mittlerweile auf selbsterklärende Systeme mit Bildern und Ampelfarben“, erklärt Sprock.
Wichtig sei auch die Betreuung der Kunden nach dem Verkauf der Geräte. Aron Brengelmann ist dazu regelmäßig in China zur Kontaktpflege.
Ernste Probleme mit Produktkopien hatte die Firma bisher nicht: „Bei einer Messe stand einmal ein Produkt, welches genauso aussah wie unseres, aber in dem nicht die gleiche Technik steckte, deswegen griffen die Kunden weiterhin auf unser Produkt zurück“, sagt Sprock.
Bei den Reisen, vor allem zu den Betrieben, bekam Sprock auch Ecken des Landes zu sehen, die den „normalen“ Touristen eher verborgen bleiben: „In Großstädten wie Peking ist die Infrastruktur ähnlich wie in Europa, doch auf dem Land herrschen eher ärmliche Verhältnisse“, stellt Sprock fest: „Da sieht man, wie hoch unser Lebensstandard ist“. Dies liege vor allem an der Urbanisierung, die die jungen Menschen vom Land in die Stadt treibt.
