Schönefeld - Eine Korruptionsaffäre droht den Zeitplan für den Bau des neuen Hauptstadtflughafens BER weiter zurückzuwerfen. Flughafen-Geschäftsführer Hartmut Mehdorn hat seinen Technikchef Jochen Großmann wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit beurlaubt und kämpft nun gegen weitere Verzögerungen.
Die Auswirkungen auf das Projekt sollten so gering wie möglich gehalten werden, kündigte Mehdorn am Mittwoch an. „Es steht und fällt nicht mit einem einzelnen Mitarbeiter.“ Der Bund und Berlin als Miteigentümer forderten von ihm, alles dafür zu tun, dass keine wesentlichen Verzögerungen entstehen.
Nach dpa-Informationen ermittelt die Staatsanwaltschaft Neuruppin gegen Großmann wegen des Verdachts der Bestechlichkeit bei der Vergabe von Planungsaufträgen. Der Ingenieur muss mit der fristlosen Kündigung rechnen. Alle Auftragsvergaben, die mit dem Fall in Verbindung stehen, kommen auf den Prüfstand.
Großmanns Firma setzt auf eine Entlastung ihres Inhabers. „Der Öffentlichkeit versichern wir, dass die Gicon vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten wird, um die Vorwürfe schnellstmöglich zu entkräften“, teilte ein Sprecher des Unternehmens in Dresden mit.
Die Affäre bringt Mehdorn zusätzlich unter Druck. Die Grünen forderten die Ablösung des 71-Jährigen. „Wowereits Krisenmanager Hartmut Mehdorn ist gescheitert, den Saustall BER auszumisten“, kritisierte Bundestagsfraktions-Chef Anton Hofreiter.
Klaus Wowereit (SPD) als Vorsitzende des Flughafen-Aufsichtsrats stützte Mehdorn dagegen. Niemand sei gefeit vor kriminellen Handlungen, sagte der Berliner Regierende Bürgermeister.
