Der Niedersächsische Landtag diskutiert zurzeit das Kupieren von Schweineschwänzen. Jan-Bernd Meyerholz (60) ist seit 40 Jahren Landwirt. Er selbst hat 1000 Schweine.
Herr Meyerholz, warum werden die Schwänze überhaupt gekürzt?
MeyerholzSchweine nutzen alles Mögliche als Spielmaterial, auch die Schwänze ihrer Artgenossen. Sie kauen und beißen darauf herum. Im letzten Drittel des Schwanzes hat das Ferkel kein Gefühl, aber auch der Teil ist durchblutet. Das Blut schmeckt süß, deshalb beißen und fressen sie weiter. Wird das letzte Drittel gekürzt, spürt das Schwein sofort, wenn es gebissen wird und weicht aus.
Was halten Sie von der Praxis des Kupierens?
MeyerholzIch halte die Praxis für gut. Das ist angewandter Tierschutz.
Wie sehen Sie den Plan des Landwirtschaftsministers Christian Meyer, eine Prämie für nicht-kupierte Schweine zu vergeben?
MeyerholzDas ist eine Lotterie. Die Schweine, deren Schwanz gekürzt wird, bekommen ein Los, und die anderen haben Pech. Es ist ein Haltungsproblem.
Welche Folgen erwarten Sie, wenn Landwirte die Schwänze der Schweine nicht mehr kürzen dürfen?
MeyerholzDer Kostendruck ist sehr hoch. Wenn ein Schwein statt einem Quadratmeter fünf Quadratmeter Platz hätte, könnten sich die Tiere aus dem Weg gehen. Aber dann müsste das Fleisch entsprechend mehr kosten, so dass die Landwirte davon leben können. Zwar sagen viele, sie würden mehr für Lebensmittel zahlen, tatsächlich sind aber 90 Prozent der Leute nicht dazu bereit. Das zeigt sich an der Supermarktkasse.
