Cloppenburg - Die Kassenpatienten des Kreises Cloppenburg verursachen im bundesweiten Vergleich die geringsten Kosten. Das zeigen Daten, die das Bundesversicherungsamt (BVA) jetzt für 2010 ermittelt hat. 1804 Euro kostet ein gesetzlich Versicherter die Krankenkassen im Kreis Cloppenburg, 2834 Euro waren es beim Spitzenreiter Landkreis Pfaffenhofen – südlich von Ingolstadt in Bayern. Im Bundesdurchschnitt stiegen die Ausgaben 2010 auf 2170 Euro – 69 Euro mehr als im Vorjahr. 2009 hatte im Übrigen der Kreis Vechta die geringsten Kosten vorzuweisen.
Damit die Daten aus den einzelnen Kreisen bundesweit vergleichbar sind, werden sie um die Merkmale Alter, Geschlecht und Krankheitsmerkmale bereinigt. Das Argument, dass Cloppenburg als jüngster Kreis Deutschlands überdurchschnittlich viele junge – gesunde – Leute hat, zieht also nicht.
BVA-Referatsleiter Dirk Göpffarth verweist stattdessen auf soziostrukturelle Merkmale. Landkreise, in denen die Ausgaben auch nach der Bereinigung um Alter, Geschlecht und Krankheitsmerkmale besonders hoch sind, seien gekennzeichnet durch eine hohe Siedlungsdichte, auf Dienstleistung beruhende Wirtschaftskraft, viele Ein-Personen-Haushalte, hohes Einkommen und hohes Bildungsniveau – allesamt Faktoren, die in der Tat auf den Kreis Cloppenburg kaum oder nur bedingt zutreffen. Hohe Bildung und hohes Einkommen seien zwar in der Regel mit einer geringeren Anfälligkeit für Krankheiten, „aber auch mit einer höheren Inanspruchnahme insbesondere fachärztlicher Leistungen verbunden“, erklärte Göpffarth am Dienstag im Gespräch mit der NWZ .
Außerdem – so Göpffarth weiter – gilt: Je mehr Ärzte und Krankenhäuser in einem Gebiet ihre Leistungen anbieten, desto höher sind auch die Kosten. Im Kreis Cloppenburg kämen 33,7 Krankenhausbetten auf 10 000 Menschen, bundesweit seien es 61,2. Und während deutschlandweit im Schnitt 167,3 Ärzte 100 000 Menschen versorgten, seien es im Kreis Cloppenburg lediglich 116,8.
„Die Anzahl der Ärzte ist dort in der Tat unterdurchschnittlich“, bestätigt der Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (Bezirksstelle Oldenburg), Helmut Scherbeitz. Die Stellen für Hausärzte seien unterbesetzt. Die These „Je mehr Ärzte, desto teuerer ist die Versorgung“ will er nicht voreilig gelten lassen. „Das kann ich empirisch nicht belegen. Der Kreis Ammerland ist beispielsweise sehr gut versorgt, alle Hausarztstellen sind besetzt“, sagt er. Da sich der Landkreis Ammerland im gleichen Spektrum wie die Landkreise Cloppenburg, Vechta und Oldenburg (1718 bis 1910 Euro pro Patient im Jahr) bewege, lasse sich die Vermutung hier nicht bestätigen. „Ich glaube, es hat auch viel mit Krankenhausstrukturen, Bevölkerungsstruktur und anderen Faktoren zu tun. Nach meiner Ansicht gibt es so viele Komponenten, dass sich ein so simpler Zusammenhang nicht ziehen lässt.“
Dr. Matthias Wenck, Hausarzt in Cloppenburg und Vorstandsmitglied des „Ärztenetzes Soestetal“, beschreibt die ärztliche Versorgung wie folgt: In der Stadt Cloppenburg gebe es ein komplettes Angebot an Fachärzten, in diesem Bereich herrsche ein Niederlassungsstopp. Anders sehe es bei den Hausärzten aus. Hier seien nicht alle Stellen voll belegt. Warum die Patienten im Kreis Cloppenburg am wenigsten Kosten bundesweit verursachen, vermag Wenck nicht zu beantworten: „Ich glaube nicht, dass die Leute hier weniger zum Arzt gehen.“
