Sandkrug - Janina Rogoll spricht leise und überlegt, als sie von ihrem Schicksal erzählt. Die junge Frau ist 24 Jahre alt und hat vergangenes Jahr eine Diagnose erhalten, die ihr Leben verändert hat: Janina Rogoll hat Multiple Sklerose (MS), eine Autoimmun-Krankheit, bei der Entzündungsherde im Nervensystem auftreten.
Seit einiger Zeit gehört sie zur MS-Kontaktgruppe Oldenburg/Oldenburger Land, die von den Sandkrugern Siegfried Loidl und Sylke Waldeck geleitet wird. Hier findet sie Gelegenheit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. „Ich wollte nach der Diagnose vor allem wissen, wie andere mit der Krankheit leben“, sagt sie.
Die ersten Symptome seien bei ihr ganz plötzlich aufgetreten. „Zu der Zeit hatte ich gerade viel Stress, habe meinen Hauptschulabschluss nachgemacht“, erinnert sie sich. Sie habe sich ständig müde gefühlt, dann kam ein Kribbeln und ein Taubheitsgefühl im Fuß hinzu. Zum Arzt ging sie eine Woche nach dem ersten Auftreten der Anzeichen, da reichte das Taubheitsgefühl bereits bis zum Knie und sie sah doppelt. Es folgten Untersuchungen und schließlich die Überweisung ins Krankenhaus. „Die Ärzte waren sehr vorsichtig. Ich merkte, dass sie eine Vermutung hatten, aber sie haben sie erst geäußert, als sie ganz sicher waren.“
Die Diagnose Multiple Sklerose sei für sie deshalb weniger ein Schock, als „ein Aha-Erlebnis“ gewesen. „Endlich wusste ich, was mit mir los ist“, sagt Rogoll. Eine Erfahrung, die sie, wie Sylke Waldeck weiß, mit vielen Betroffenen teilt. Auch sie selbst sei, als sie vor fünf Jahren die MS-Diagnose erhielt, zunächst erleichtert gewesen, endlich gab es eine Erklärung für die „komischen Symptome“.
Die 51-Jährige fing an zu forschen, stieß über die MS-Beratungsstelle Leer auf die MS-Kontaktgruppe. Hier ist sie nun gemeinsam mit Siegfried Loidl, dessen Frau seit 30 Jahren MS hat, im Leitungsteam aktiv. „Wir möchten uns nicht in erster Linie um die Schwerstbetroffenen kümmern, sondern vor allem auch Neubetroffene und Jüngere ansprechen“, erzählen die beiden Sandkruger. Sie wissen, nicht jedem Betroffenen sieht man seine Krankheit auch an. Heutzutage sei die Diagnose nicht mehr gleichbedeutend mit einem Leben im Rollstuhl. „Nach meiner Diagnose hatte ich keinen Schub mehr“, sagt zum Beispiel Sylke Waldeck. Mit körperlicher Betätigung und der Einnahme von Vitamin D gehe es ihr sehr gut, erzählt sie. Wie viele andere MS-Erkrankte hat sie die Zeit nach ihrer Diagnose genutzt, ihr Leben zu überdenken und sich fortan um das zu kümmern, was ihr gut tut. Bei ihr war es zum Beispiel ein neuer Job. Janina Rogoll hat nach dem Hauptschul- nun auch den Realschulabschluss in Angriff genommen. Anschließend wird sie die Fachoberschule für Gestaltung in Oldenburg besuchen und später studieren.
Mit ihrem Engagement ist die 24-Jährige ein gutes Beispiel dafür, dass auch mit MS das Leben nicht aufhört. Am Mittwoch, 29. Mai, dem Welt-MS-Tag, möchte sie deshalb gemeinsam mit anderen Mitgliedern der MS-Kontaktgruppe junge Betroffene und Interessierte an einem Stand in der Oldenburger Innenstadt über ihre Krankheit und das Leben damit informieren.
