Nordenholz - Eine kreative Aufgabe für die Maurergesellen: Mit Bedacht setzen Gerd Janzen und Markus Roth die kleinen Steine auf den Boden der Festscheune des Nordenholzer Hofes. Mehr als 7000 kleine Kiesel müssen sie verlegen. Denn der hintere Bereich der Scheune wird nicht einfach gefliest oder mit Laminat ausgelegt – hier entsteht ein sogenanntes Flett.

Das Flett war früher der Arbeitsbereich der Bauersfrau. Hier gab es eine offene Feuerstelle, an der gekocht wurde, und auch die Wäsche wurde in diesem Bereich gewaschen. Im Gegensatz zur Dreschdiele wurde der Lehmboden mit Kieserlingen ausgelegt. Das Wasser verlor sich dann in den Ritzen, und die Bauersfrau stand mit den Holzschuhen nicht in einer aufgeweichten Lehmbrühe.

„Das machen wir zum ersten Mal“, berichtet Gerd Janzen. Es sei eine große Herausforderung, passende Steine zu finden. 103 Felder in der Größe von zwei Backsteinen müssen gefüllt werden. 70 Steine passen in ein Feld.

Den Auftrag erteilt hat Heiko Aschenbeck, der den Nordenholzer Hof gekauft hat und nun sanieren lässt (die NWZ  berichtete). Neben dem Gasthaus steht das Gode-Haus, das der 63-Jährige von Tweelbäke nach Nordenholz versetzen lassen hat. Hier dürfen die Maurergesellen ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Denn ein Flett sei ein richtiges Schmuckstück, weiß Aschenbeck, dessen großes Hobby der Erhalt historischer Bausubstanz ist. Jedes Kiesel-Quadrat hat ein eigenes Muster. Ein Kreuz, einen Kreis, diagonale Linien und ein Fischgräten-Muster haben Janzen und Roth unter anderem mit den Steinen gelegt. „Die Ideen sind uns ganz spontan bei der Arbeit gekommen“, berichtet Janzen, „man sitzt vor dem Loch und überlegt, was man jetzt machen kann.“ Mittlerweile seien sie erstaunt, wie viele Möglichkeiten es gebe. „Ich finde es wirklich toll, und es macht Spaß“, sagt der Huder, „wenn man nur nicht den ganzen Tag auf den Knien sitzen müsste.“ Zehn bis fünfzehn Minuten brauchen die Männer für ein Quadrat.

Der Kies stammt aus der Weser. Viermal ist Aschenbeck mit seiner Tochter und seiner Frau zum Händler gefahren und hat jeden Stein einzeln ausgesucht. Die Kiesel sind zwischen 16 und 32 Millimeter lang.


Ihm ist wichtig, dass die Materialien aus der Region stammen. Auch müsse nicht immer alles neu gekauft werden. So nutzt Aschenbeck viele alte Steine aus Abbruchmaterial. Der Nordenholzer hofft auf viele Nachahmer.

Bis zum 19. Juli soll die Festscheune fertig saniert sein. Denn dann steigt dort die erste Hochzeit.