Kreis Cloppenburg - Der von den Landkreisen Cloppenburg und Emsland geplante vierstreifige Ausbau der E 233 würde nach aktuellen Zahlen auf dem Gebiet der beiden Landkreise insgesamt 1180 Hektar Fläche beanspruchen. Das hat die Cloppenburger Kreisverwaltung nun auf Nachfrage der Gruppe Grüne/UWG im Cloppenburger Kreistag bekanntgegeben. „Dieser gigantische Flächenverbrauch ist in keiner Weise zu rechtfertigen“, kritisieren die beiden Grünen-Kreistagsabgeordneten Birgit Kemmer (Landkreis Emsland) und Fabian Wesselmann (Landkreis Cloppenburg). „Die Zahlen zeigen einmal mehr: Die Ausbauplanungen haben schon lange jedes Maß verloren.“
Auf dem Gebiet des Landkreises Cloppenburg würden – so die Grünen – nach Auskunft der Cloppenburger Kreisverwaltung für den E-233-Ausbau 520 Hektar benötigt, wovon 260 Hektar für den Ausbau selbst und 260 Hektar für Ersatzmaßnahmen vorgesehen seien. Noch größer ist der Flächenbedarf im Landkreis Emsland: Hier seien insgesamt 660 Hektar erforderlich – davon 235 Hektar für den Ausbau selbst und 425 Hektar für Kompensationsmaßnahmen, so die Grünen.
Filiz Polat, regional zuständige Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, und Christian Meyer, naturschutzpolitischer Sprecher der Landtags-Grünen, sehen im Falle eines vierstreifigen Ausbaus der E 233 dramatische Auswirkungen auf Natur und Landwirtschaft: „Die Planungen der Europastraße 233 zeigen die typischen Merkmale dieser überflüssigen Straßenbauprojekte. Bei jeder Kostenplanung wird es teurer, und der Flächenfraß nimmt Ausmaße an, die nicht zu rechtfertigen sind. ‚Viel hilft viel‘ ist im Straßenbau der falsche Ansatz. Wir brauchen intelligente Lösungen, nicht einfach nur immer mehr Beton“, findet Filiz Polat.
Auf Kritik stoßen die Ausbauplanungen auch beim ehemaligen niedersächsischen Landwirtschaftsminister und regional zuständigen Grünen-Landtagsabgeordneten Christian Meyer: „Der Verlust von 1180 Hektar landwirtschaftlicher Flächen für die E 233 bedeutet weiteres Höfesterben und ein noch stärkerer Flächenverbrauch. Die Flächenknappheit im Kreis Cloppenburg wird weiter verschärft, und die Boden- und Pachtpreise werden weiter steigen. Rechnerisch verlieren 100 bis 150 landwirtschaftliche Durchschnittsbetriebe ihre Flächen und müssen aufgeben.“
Bernhard Suilmann, Geschäftsführer des Kreislandvolkverbands Cloppenburg, konnte nicht bestätigen, dass bis zu 150 Betriebe aufgeben müssten. „Wir sehen den Flächenverbrauch aber auch kritisch. Beim Bau muss darauf geachtet werden, das Vorhaben zu optimieren und möglichst wenig zu verbrauchen.“ Dennoch gebe es bestimmt Betriebe, die dadurch in ihrer Existenz bedroht seien. „Es kann nicht sein, dass für den großen Nutzen der Wirtschaft Einzelne leiden müssen“, betont Suilmann. Betroffene Landwirte bräuchten Ausgleichsflächen, um den wirtschaftlichen Schaden kompensieren zu können.
