KREYENBRüCK - Wenn Ursula Jastrow gefragt wird, ob sie Kinder habe, dann antwortet die rüstige Rentnerin selbstbewusst: „Ja – und zwar 5000.“ Dem einen oder anderen mag das dann fremd erscheinen, für „Maman Jastrow“ ist es aber „die normalste Sache der Welt“. Seit 1990 engagiert sich die heute 85-Jährige für Togo, genauer das Dorf Sodo in dem afrikanischen Land.
Hilfe und Beratung
Die gebürtige Harburgerin nannte einige Orte ihr Zuhause. Im Harz machte Jastrow eine Ausbildung, in Wilhelmshaven studierte sie, seit 1988 wohnt sie in Oldenburg. Bereits während ihrer langjährigen Lehrtätigkeit in Landwirtschafts- und Haushaltskunde machte sie viele Studienreisen, unter anderem nach Südamerika und Asien, und war stets an den verschiedenen Kulturen interessiert.
Zum Engagement für Togo kam es eher zufällig: „Ich konnte nach meiner Pensionierung nicht einfach aufhören, aktiv zu sein. Ich hatte das Gefühl, ich würde gebraucht“, sagt die 85-Jährige. Also meldete sie sich beim „Senior Experten Service“ an, und wurde gefragt, ob sie sich vorstellen könne, in Togo zu helfen. Sie konnte, und wenig später fuhr sie erstmals ins Dorf Sodo, überbrachte Spenden und stand den Einwohnern beratend zur Seite.
Um sich verständigen zu können, war es aber zunächst nötig, Französisch zu pauken: „Das war richtig anstrengend, hat mir aber sehr viel Spaß gemacht. Heute nehme ich noch immer einmal pro Woche eine Stunde, um in der Sprache zu bleiben.“ 13 Mal war Jastrow nun schon in Sodo, hat dort sogar ein halbes Jahr gelebt. Die Umstellung war natürlich groß: „Man muss ganz klar seine zivilisatorische Überlegenheit zu Hause lassen und sich den Gegebenheiten anpassen.“
Vor Ort wird sie von Koko Klutse (70) unterstützt. Er steht ihr stets beratend und helfend zur Seite. Auch in Deutschland hat er sie bereits besucht, zuletzt im August, zum 85. Geburtstag. Klutse informiert Jastrow auch über Fortschritte und wie es beispielsweise um die Schneiderei oder Schulen steht, die Jastrow mit gegründet hat. „Das Verhältnis mit den Bewohnern ist sehr herzlich“, sagt Jastrow, „wir stehen in ständigem Briefkontakt.“
Seit 2001 läuft nun schon ein Projekt, das Ursula Jastrow sehr am Herzen liegt: Die Wiederaufforstung der Hügel bei Sodo mit Teak. „Es geht gut voran“, sagt sie. Im Juni war sie zuletzt in Sodo, und es soll nun das letzte Mal gewesen sein. „Man muss wissen, wann man aufhören muss“, sagt Jastrow, „ich organisiere jetzt viel von Deutschland aus und sammle natürlich weiter Spenden. Ich fahre nur nicht mehr selber hin.“
Große Arbeitslosigkeit
Der Erfolg der vergangenen Jahre in Sodo lasse sich aber schon sehen: „Es ist einiges besser geworden. Natürlich ist die Arbeitslosigkeit zu groß, aber das sind Dinge, die man nur langfristig ändern kann.“ Wichtig sei es, dass man die Lebensbedingungen vor Ort verbessere. Ein afrikanisches Sprichwort besagt: „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, werden das Angesicht der Erde erneuern.“ Genau dieses Motto versucht Jastrow an die Generationen in Sodo und natürlich die Helfer aus Deutschland und anderen Ländern weiterzugeben.
