KREYENBRüCK - Mit einem Sack Erde aus dem Garten des Stadtteiltreffs Kreyenbrück werden Ende Juni Schülerinnen und Schüler der Fachoberschule für Gestaltung nach Berlin reisen. Die Erde wird dann das Kunstprojekt „Der Bevölkerung“ des Künstlers Klaus Haacke im nördlichen Innenhof des Reichstagsgebäudes bereichern. Dieses Projekt mahnt eine Politik für wirklich alle Menschen in diesem Land an – ob sie nun einen deutschen Pass haben oder nicht.

Die Erde aus Kreyenbrück trifft diese Symbolik genau, denn sie stammt aus dem Garten, den Bürger vieler Nationen gemeinsam angelegt haben und bearbeiten. Dem Aufruf der FDP-Bundestagsabgeordneten Christiane Ratjen-Damerau, sich mit dem Transport der Erde an dem Berliner Kunstprojekt zu beteiligten, war die Klasse 2A der Fachoberschule begeistert gefolgt. Zum einen, weil man sich im Unterricht mit Kunst und Politik befassen wolle, erklärte Lehrer Rolf R. Künzel. Zum anderen, weil man so in Kontakt zu Politikern komme und mögliche Vorurteile ihnen gegenüber abbaue. Ganz wichtig aber sei, dass das Kunstprojekt das Verhältnis zwischen Deutschen und Migranten ins Bewusstsein rücke. „Wir Politiker müssen uns zu Herzen nehmen, dass Deutschland aus Menschen vieler Nationen besteht“, sagte auch Christiane Ratjen-Damerau. Der Stadtteiltreff Kreyenbrück sei dafür ein gutes Beispiel.

Die Fachoberschüler werden nicht nur die Erde aus Kreyenbrück nach Berlin bringen, sondern auch die Wünsche der Menschen vom Stadtteiltreff. Oben auf der Liste der Frauen (aus Chile, der Türkei, Somalia, Russland und dem Irak), die sich am Donnerstag hier versammelt hatten, stehen die Sprachkurse. Es werde lediglich ein Grundlagenkurs finanziert. Wichtige Aufbaukurse müsse man selber zahlen. Natalia, eine Bauingenieurin aus Russland, wünscht sich Kurse, in denen die Fachsprache verschiedener Berufe gelehrt wird. Dann könne sie vielleicht auch in Deutschland ihren Beruf ausüben. Jetzt ist sie Honorarkraft im Stadtteiltreff, kümmert sich um die Buchhaltung.

Die Anerkennung der Berufe, die die Migranten in ihrem Heimatland erlernt haben, wünscht sich auch Jutta Hinrichsen. Darüber hinaus gibt sie der Erde ein weiteres Anliegen mit: „Es darf nicht zu weiteren Kürzungen des bundesweiten Programms Soziale Stadt kommen.“ 2009 wurde Kreyenbrück darin aufgenommen. Anfangs standen insgesamt 95 Millionen Euro zur Verfügung, seit 2010 sind es nur noch 28,5 Millionen. Damit könne man nur bauliche Maßnahmen verwirklichen, für Soziales sei nichts übrig.

Susanne Gloger
Susanne Gloger Redaktion Oldenburg