KREYENBRüCK - Er strahlt Lebendigkeit aus: Der Stadtteil Kreyenbrück ist bei seinen Bewohnern beliebt, trotz Kritikpunkten. In der Rollenden Redaktion, die am Mittwoch vor der Filiale von Müller & Egerer an der Cloppenburger Straße stand, sprachen die Gäste ein offenes Wort. Zu ihnen zählte Gertrud Kellner. Die 92-Jährige lebt schon seit 1957 gern in Kreyenbrück. „Ich komme hier überall gut klar, und ich wohne ganz ruhig.“
Vor fast 16 Jahren ist Marita Pietsch nach Kreyenbrück gezogen, vorher lebte sie in Ofenerdiek, Ohmstede und Tweelbäke. „Mich bringt hier nichts mehr weg“, sagt die gebürtige Hamburgerin überzeugt und lobt die Einkaufsmöglichkeiten sowie den Freizeitwert des Stadtteilparks „Utkiek“. Nur mit der Busverbindung ist die 65-Jährige nicht zufrieden. Vor Einrichtung des ZOB sei sie mit dem Bus von Kreyenbrück nach Ofenerdiek eine dreiviertel Stunde unterwegs gewesen, heute dauere das anderthalb Stunden.
Als lebhaften Stadtteil schätzt Waltraud Hechler Kreyenbrück: „Die verschiedenen Kliniken, die Kindergärten und Schulen bringen Lebendigkeit.“ Gleichzeitig gebe es viele Ecken mit großem Erholungswert in der Natur: zum Beispiel den „Utkiek“. Eines ärgert Waltraud Hechler: „Kreyenbrück ist sehr zugemüllt, vor allem mit Hundekot.“ Damit meint sie auch den Wanderweg um die Reha-Klinik.
Irmtraut Keil fährt viel und gern mit dem Fahrrad: „Und dafür gibt es hier am Kanal und an der Neuen Hunte tolle Wege. Man ist schnell in Naturlandschaften“. Einzig der viele Verkehr in der Straße An den Voßbergen stört sie. „In der Tempo-30-Zone ist wahnsinnig viel los. Vielleicht würde es ruhiger, wenn der erste Teil aus Richtung Innenstadt zur Einbahnstraße ausgewiesen würde. Dann nutzen bestimmt nicht mehr so viele Autofahrer die Straße als Durchgangsstrecke.“
Auch Karl-Johann Conrads findet: „Es lässt sich hier gut leben, trotz der Brennpunkte, wie zum Beispiel die Verkehrsbelastung der Cloppenburger Straße. Noch ist es leider nicht gelungen, den negativen Touch Kreyenbrücks abzubauen.“ Er wohne schon seit 38 Jahren hier und möchte auch nicht weg. Lob gibt es auch von ihm für den „Utkiek“ und den Grünzug an der Kandinskystraße.
Waltraud Müller will „aus dieser Ecke nicht mehr raus“. Sie bedauert aber eines: „Dass es den Spar-Markt an der Ecke Ewigkeit/An den Voßbergen nicht mehr gibt.“
Hermann Frerichs ist nicht damit einverstanden, dass die Stadt im früheren Park-Hotel ein Flüchtlingswohnheim einrichten will. „Die Stadt hat doch kein Geld, kann dann aber das Hotel kaufen. Warum richtet man das Wohnheim nicht im alten Gefängnis an der Gerichtsstraße ein? In dem Viertel wohnt wohl zu viel Prominenz?“
Große Sorgen macht sich Andrea Schemnonek: „An der Grundschule Breewaterweg kommt es oft vor, das Kinder von Pädophilen angesprochen werden“, weiß die 31 Jahre alte Mutter, deren Tochter dort die erste Klasse besucht. In den Pausen gebe es nur eine Aufsichtsperson, und die könne nicht alles im Blick haben. Eltern hätten angeregt, einen Zaun aufzustellen. „Dieser Antrag ging bis zum Schulamt. Zu teuer, war die Antwort. Auch unser Vorschlag eine Umlage zu machen, wurde abgelehnt.“ Der Unterricht an der Grundschule sei toll, lobt die Mutter. „Aber zum Beispiel die Toiletten sind katastrophal, sie sind alt und angeschlagen.“ DieNWZ
wird dem Fall nachgehen und berichten.Den Lärm durch die Verkehrsbelastung im südlichen Bereich der Bahnhofsallee (Neubaugebiet mit 20 Wohnhäusern) findet Anwohner Manfred Wellesen nicht mehr zum Aushalten. Für ihn ist unverständlich, dass die Politik es ablehnt, in diesem Bereich zwischen der Carl-Friedrich-Gauß-Straße und der Bümmersteder Tredde bis zum Dwaschweg Tempo 30 auszuweisen. „Wir haben hier mal die Geschwindigkeit der Fahrzeuge gemessen. Die meisten fahren 70 Stundenkilometer. Bei Tempo 30 würde man eine längere Fahrzeit von nur 36 Sekunden brauchen.“ Tempo 30 habe der Oberbürgermeister abgelehnt mit der Begründung, es handele sich um eine Vorbehaltsstraße (für die Abwicklung des überörtlichen Verkehrs. „Aber Lärm macht krank. Was ist wichtiger: Die Gesundheit der Bürger oder der Wunsch der Autofahrer, schnell von A nach B zu kommen?“ Zur „Beruhigung“ gebe es auf der Straße Verkehrsinseln. „Doch vor denen bremsen Fahrzeuge nur kurz ab, um anschließend wieder Gas zu geben. Das machen auch die Lastwagen der Bundeswehr-Fahrschule so – bei immerhin bis zu 60 Fahrten am Tag.“
