Oldenburg - Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) hält eine kurzfristige staatliche Unterstützung der Landwirte für unumgänglich. Langfristig und grundsätzlich sieht er in Krisenmaßnahmen aber keine Lösung. „Mir ist es wichtig, dass die Landwirtschaft eine langfristige Perspektive hat“, sagte er am Donnerstag vor rund 450 Teilnehmern beim Unternehmertag der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) in den Oldenburger Weser-Ems-Hallen.
Angebot und Nachfrage
Aus Sicht von Meyer liegt das eigentliche Problem im Auseinanderklaffen von Angebot und Nachfrage. Es sei zu viel Milch auf dem Markt und der Angebotsdruck sei zu hoch. „Wir müssen Angebot und Nachfrage in Einklang bringen, dann wird es auch wieder zu vernünftigen Preisen kommen“, zeigte sich der Minister überzeugt.
Meyer bekräftigte, dass er die von ihm geforderte Agrarwende für den richtigen Weg halte, um die landwirtschaftlichen Betriebe zu stabilisieren und die Zukunft zu sichern. „Agrarwende heißt, drängende Probleme in der Landwirtschaft gemeinsam mit den Bauern zu lösen und auf eine zukunftsfeste Landwirtschaft zu setzen“, so der Minister. Agrarwende bedeute nicht, Bauern immer mehr Lasten aufzubürden und sie am Gängelband zu halten. „Wir wollen die Tierhaltung nicht verbieten, sondern weiterentwickeln“, betonte er.
DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer betonte die herausfordernde Lage, in der sich die Landwirtschaft befindet. „Überall sehen wir gedrückte Preise für fast alle Agrarerzeugnisse – trotz einer unterdurchschnittlichen, in einigen Regionen dramatisch eingebrochenen Ernte in Deutschland und Teilen Europas“, sagte er.
Bartmer sprach sich für unternehmerische Lösungen in der zurzeit angespannten Situation aus. „Krisenzeiten sind Unternehmerzeiten“, sagte er. „Ein Unternehmer ruft nicht nach besseren Preisen, sondern fragt nach den Ursachen und arbeitet an seiner Wettbewerbsfähigkeit.“
Strikte Kostendisziplin
Der DLG-Präsident mahnte unter anderem „strikte Kostendisziplin“ und einen Blick auf die Prozesse an. „Hier können immer Ressourcen identifiziert und Potenziale gehoben werden“, sagte er. Zugleich sprach er sich für die Etablierung von Marken aus. „Daran krankt zurzeit die Milch, aber auch die Veredelung, auch im Ackerbau geht mehr“, sagte er.
Staatliche Unterstützung forderte Bartmer vor allem in Hinblick auf faire Marktzugänge und den Abbau von nicht-tarifären Handelshemmnissen. Markthilfen seien dagegen nur „ein Tropfen auf dem glühenden Stein“. Vorstellungen von staatlich honorierten kleinen Ställen und idealisierten regionalen Produktionssystemen sind seiner Meinung nach so lange Psychologie, wie dahinter keine ausreichend kaufkräftige Nachfrage steht.
