Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Wasserschutzgebiet Kritik an geringer Entschädigung

Annen - Arnold von Seggern und Walter Düßmann sind verärgert. Die beiden Landwirte bewirtschaften jeweils rund 50 Hektar innerhalb eines 30 Quadratkilometer großen Wasserschutzgebietes (WSG) in der Annenheide im Grenzgebiet Groß Ippener/Delmenhorst. Delmenhorst und die angrenzenden Gemeinden werden von hier mit Trinkwasser versorgt.

Kunstdünger zukaufen

Landwirtschaft in einem Wasserschutzgebiet zu betreiben, bedeutet, einen langen Auflagenkatalog der zuständigen Behörde zu erfüllen. „Wir dürfen in der unmittelbaren Schutzzone um die Förderbrunnen keine organischen Dünger einsetzen, sondern müssen für diese Flächen Kunstdünger zukaufen“, berichtet Landwirt Walter Düßmann. Der Delmenhorster und der Groß Ippener Arnold von Seggern haben ihre Höfe direkt an den Förderbrunnen 6 und 7, aus denen die Hälfte der Gesamtwassermenge gefördert wird.

Die eingeschränkte Düngung ist nur ein Punkt der so genannten freiwilligen Vereinbarungen, die die Landwirte zur Sicherung der Grundwasserqualität im Gebiet Annenheide unterzeichnet haben. Für diese Mehrauflagen erhalten sie eine Entschädigung.

Besonders zu schaffen machen ihnen jedoch die Trockenschäden, die durch die Absenkung des Grundwasserspiegels entstehen. „Die Erträge bei der Grasernte sind stellenweise nur halb so groß, wie bei den Kollegen außerhalb des Gebietes“, ärgert sich von Seggern. Bei starken Regenfällen steht das Wasser nicht auf Wiesen und Äckern, wie anderswo, sondern versickert sofort im sandigen und trockenen Boden rund um die Förderbrunnen. „Die Entschädigungszahlungen für die Mindererträge reichen hinten und vorne nicht“, schimpft von Seggern. „In den letzten Jahren haben wir im Durchschnitt umgerechnet zehn Euro pro Hektar bekommen. Und davon muss ich Futter für meine Kühe zukaufen, da die Grasernte nicht ausreicht.“ Und Düßmann rechnet vor: „Durch den abgesenkten Grundwasserspiegel hole ich eine Tonne Gerste weniger pro Hektar vom Feld. Das sind rund 160 Euro.“

Doch nicht nur auf Acker und Grünland sind die Auswirkungen der Trinkwasserförderung zu sehen. „Den Bäumen hier geht es immer schlechter“, so Düßmann: „In den letzten Jahren haben wir eine Reihe toter Bäume gefällt und entsorgt.“


Bezahlt hat ihnen das niemand. Auch ist durch die vermehrte Förderung der Eisengehalt im Grundwasser privater Brunnen gestiegen. Von Seggern berichtet von Eisenflocken, die die Filter seiner Wasserversorgung für die Ställe verstopfe. „Das hatten wir früher nicht“, versichert er.

„Anerkanntes System“

Dirk Kleemeyer, der sich beim Landvolk Mittelweser um Entschädigungszahlungen für Landwirte kümmert, versucht die Wogen zu glätten: „Die anerkannten Gutachten können natürlich nicht jeden Einzelbetrieb berücksichtigen. Die Entschädigungszahlungen richten sich nach Durchschnittswerten für die Fläche des gesamten Wasserschutzgebietes.“ Laut Kleemeyer werden mit den Zahlungen 45 Prozent der Schäden abgedeckt. „Das ist ein anerkanntes System.“

Warum die Förderung in Delmenhorst „An den Graften“ in einem modernisierten Wasserwerk nicht wieder aufgenommen wird, können die beiden Landwirte nicht verstehen. „Das wäre auch im Sinne der Delmenhorster Bürger“, ist sich Walter Düßmann sicher: „Dort steht das gesamte Gebiet unter Wasser. Mit Wasser, das hier fehlt!“

Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Die Mitglieder vom BSV Kickers Emden stimmen am Donnerstagabend für die Ausgliederung der ersten Herren in eine GmbH.

POSITIVES VOTUM Mitglieder geben Grünes Licht für die Kickers-Emden-GmbH – Rießelmann spricht von „Happy End“

Lars Möller
Emden
Stellten die Ausweitung des Konzeptes „Wilhelmshaven sicher“ auf den Busverkehr der Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft vor: (v.li.) Frank Rademacher (Geschäftsführer Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft Wilhelmshaven), Polizeidirektor Heiko von Deetzen, Projektleiter und Polizeihauptkomissar Tim Bachem und Oberbürgermeister Carsten Feist.

POLIZEIPRÄSENZ IM BUSVERKEHR Hausrecht der Polizei stärkt ab sofort Sicherheit in Bussen

Lutz Rector
Wilhelmshaven
Kommentar
Klimaaktivisten der Gruppe „Fridays for Future“ in Saarbrücken werfen Bundeskanzler Scholz vor, bei seinem Besuch in der vom Hochwasser betroffenen Region und in seiner Ansprache „die Klimakrise fahrlässig ausgeblendet“ zu haben.

UMWELTPOLITIK Durch mehr Klimaschutz gibt’s nichts zu verlieren

Jana Wolf Büro Berlin
Eine junge Lehrerin schreibt Mathematikaufgaben an eine Schultafel. Niedersachsen will 390 Schulen im Land nach Sozialindex stärker fördern.

NEUES PROGRAMM FÜR 390 SCHULEN Wie Niedersachsen mehr Bildungsgerechtigkeit herstellen will

Stefan Idel Büro Hannover
Hannover
Lara und Philipp Schumacher wollen gemeinsam mit ihren drei Kindern ein neues Leben auf Mallorca beginnen. Dafür bereiten sie seit Jahren alles vor – und der letzte, mehrmonatige Aufenthalt vor der Auswanderung begann mit einem herben Rückschlag.

BETROGEN UND ENTTÄUSCHT Emder Familie kämpft nach Betrug auf Mallorca um ihren Traum

Aike Sebastian Ruhr
Emden