Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Regulierung von Krypto-Währungen EU will wilden Krypto-Westen ordnen

Katrin Pribyl Büro Brüssel
Die EU will den Kryptomarkt regulieren.

Die EU will den Kryptomarkt regulieren.

Lobeca/Imago

Straßburg - Ist das Kunst – oder kann das weg? Blockchain-Laien würden beim Anblick jener Affen-Bilder, die seit einiger Zeit weltweit für Furore sorgen, eben diese Frage stellen. Doch das Tier als Cartoon in unterschiedlichen Abwandlungen steht wie als Symbol für den Hype um sogenannte Non-fungible Token (NFT). Es handelt sich um einzigartige und nicht austauschbare Objekte im Netz. So erzielen die Bilder der verrückten Affen auf dem Kunstmarkt etwa horrende Preise, weil sie eine nicht massenhaft reproduzierbare digitale Signatur besitzen.

Aber nicht nur NFT wie die tierischen, von einem Algorithmus generierten Cartoons sind beliebt, auch sogenannte fungible Token wie Kryptowährungen genießen in aller Welt große Popularität – und die Begeisterung dürfte nur noch weiter zunehmen. „Wir stehen am Beginn der Tokenisierung“, sagte der CDU-Europaabgeordnete Stefan Berger und verweist auf Experten, die für die Zukunft einen „gewaltigen Markt“ erkennen. So nutzen rund zehn Prozent der Deutschen Krypto-Assets, insgesamt existieren davon rund 10.000 Anlagen. Gleichwohl handele es sich derzeit noch um „einen wilden Westen“, monierte Berger.

Weltweit Vorreiter

Deshalb schreitet nun die EU ein. Mit der neuen Verordnung Mica (Markets in Crypto-Assets) will sie erstmals einen Rechtsrahmen für Krypto-Märkte auf EU-Ebene festlegen. An diesem Donnerstag stimmt das EU-Parlament in Straßburg final über den Entwurf ab, nachdem die Europapolitiker rund zweieinhalb Jahre lang oft hochemotional um Lösungen gerungen hatten. Sie betraten damals Neuland. Nun steht die weltweit erste so umfangreiche Regulierung für Kryptowährungen.

Token besitzen einen Wert und werden deshalb bald ähnlich reguliert wie Aktien oder Gold. Sie müssen künftig nach einem definierten Verfahren zugelassen werden, inklusive strenger Vorschriften und einer klaren Aufsichtsregelung. Zudem werden umfassende Infos über Token bindend, die an die Kunden herausgegeben werden müssen. Um Verbraucher besser zu schützen, soll es zudem Mindestkapitalanforderungen für Dienstleister von Krypto-Assets geben. Zu den verankerten Sicherheitsvorkehrungen gehören auch ein obligatorisches Beschwerdeverfahren für Anleger sowie die Pflicht zur Verwahrung von Vermögenswerten, das heißt, dass Eigenmittel nachgewiesen werden müssen. Ebenfalls eingearbeitet sind Vorkehrungen gegen Marktmissbrauch und Geldwäsche. Bereits existierende Token wie die Affen-Cartoons oder schon bestehende Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum sind von Mica nicht direkt betroffen.

Einige Fälle in der Vergangenheit hätten Vertrauen zerstört wie etwa die Pleite der Handelsplattform FTX. Deshalb soll Mica auch als „Vertrauensbooster in die junge Blockchain-Technologie“ dienen, sagte CDU-Mann Berger und zeigte sich überzeugt, dass sie der EU „einen klaren Wettbewerbsvorteil“ bringen werde. Mehr noch: Die Verordnung soll Schule machen, etwa in Ländern wie den USA, wo keine regulatorische Klarheit herrsche. „Sie hat das Zeug, zum globalen Standardsetzer zu werden“, so Berger.


„Sie beseitigt Schlupflöcher und die regulatorischen Grauzonen, indem sie gleiche Wettbewerbsbedingungen wie für andere vergleichbare Finanzinstrumente schafft“, lobte auch der SPD-Europaabgeordnete Joachim Schuster. Mica bringe „Licht in den Krypto-Dschungel“, meinte der EU-Parlamentarier Markus Ferber (CSU).

Folgen für die Umwelt

Ein Punkt, der regelmäßig für Streit sorgt, dreht sich um die Folgen für die Umwelt. Schuster zufolge seien die Auswirkungen von Mining-Aktivitäten, also dem Erzeugen von beispielsweise neuer Bitcoin, wofür spezielle Hard- und Software verwendet wird und sich Rechner verbinden müssen, auf das Klima „enorm“. So solle allein das Bitcoin-Mining jährlich so viel Energie wie Länder von der Größe Österreichs oder Portugals verbrauchen, sagte der SPD-Politiker mit Verweis auf mehrere Studien. Als Kompromiss – Berger sprach von einer „klugen Lösung“ – einigten sich die EU-Vertreter darauf, dass die Herausgeber von neuen Krypto-Anlagen verpflichtet werden, alle relevanten Informationen über ihre Umwelt- und Klimabilanz offenzulegen, indem sie etwa darüber Auskunft geben, wie ihr Energieverbrauch aussieht. „Dies schafft Transparenz für die Verbraucher“, so Berger.

Stimmen die Europaparlamentarier wie erwartet für die Verordnung, müssen die 27 Mitgliedstaaten die Regelungen spätestens in eineinhalb Jahren anwenden.

Artikelempfehlungen der Redaktion
So sieht einer der zehn neuen Operationssäle im Evangelischen Krankenhaus Oldenburg aus.

EVANGELISCHES KRANKENHAUS OLDENBURG Mehr Operationen, Jobs und Patienten – EV nimmt zehn neue Operationssäle in Betrieb

Anja Biewald
Oldenburg
Spannender Lesestoff auf über 50 Seiten: Die erste Ausgabe des neuen Magazins „Tatort Nordwesten“ ist ab sofort erhältlich. Als ePaper kostet das Magazin 5,90 Euro.

TRUE-CRIME-HEFT „Tatort Nordwesten“ als Magazin in Geschäftsstellen und Shop erhältlich

Nicolas Reimer
Im Nordwesten
Podcast
Verlässt im Sommer den VfB: Marcel Appiah

NEUE FOLGE NORDWESTKURVE Warum der VfB Oldenburg seine Verjüngungskur vorantreibt

Lars Blancke Sarom Siebenhaar
Oldenburg
Haben das Demokratiefest am 11. Mai in Schortens aus Sicherheitsgründen abgesagt: die Veranstalter (von links) Detlef Kasig, Axel Homfeldt und Wolfgang Ottens.

SICHERHEITSGRÜNDE Veranstalter sagen Fest für Demokratie in Schortens ab

Jever
Da hofften sie noch auf ein buntes Familienfest (von links): die Initiatoren von „Rock durch die Mitte“ Detlef Kasig (SPD), Axel Homfeldt (CDU) und Wolfgang Ottens (Grüne).

DEMOKRATIE-FEST IN SCHORTENS ABGESAGT Initiatoren sehen Sicherheit am 11. Mai gefährdet

Jeversches Wochenblatt
Schortens