Harpstedt - Am Harpstedter Ortseingang ist die neue Halle, die an der Steinbeeke in die Höhe wächst, kaum zu übersehen. Nur wenige Meter von der Firmenzentrale entfernt baut die Firma Roland Manufaktur ein neues Gebäude für Entwicklung, Fertigung und Endmontage von Küchen – allerdings keine gewöhnlichen Küchen.

Das Hauptgeschäftsfeld des 1988 von Roland Degner in Bremen noch als Roland Küchentechnik gegründeten Unternehmens sind Küchen für Megayachten, die größten Privatschiffe der Welt.

Kunden sind Werften überall in Europa. „Über die Endkunden“, so Degner, „spricht man in diesem Geschäft nicht.“ Der Wert der in Harpstedt geplanten und entwickelten Küchen beginnt beim Gegenwert eines guten Einfamilienhauses – nach oben gibt es fast keine Grenzen. Das Material der Wahl ist Edelstahl, nur dieser ist der hohen Beanspruchung bei Rund-um-die-Uhr-Betrieb und Seeklima gewachsen. Die Fertigung ist eine Sache von Millimetern, Abweichungen tolerieren die Kunden nicht. Und, so Degner: „Bei jedem Projekt muss das Rad neu erfunden werden.“ Jeder Kunde wolle seine Küche noch ein Stück raffinierter. Dass der große, tonnenschwere Küchenblock in der Schauküche in Harpstedt auf Knopfdruck flüsterleise in der Höhe verstellt werden kann, ist da schon fast eine Selbstverständlichkeit. Ebenso auf Knopfdruck lassen sich Wasserhähne einfach in der Arbeitsplatte versenken.

Die eigentliche Fertigung der Edelstahlküchen hat Degner vergeben. In der neuen Halle sollen künftig alle Küchen montiert und abgenommen werden. Das Programm für den Schiffbau hat Roland Manufaktur kürzlich erweitert. Produziert werden jetzt auch Sonderkühlschränke und Weinkühlschränke in seewasserfestem Edelstahl.

Mit der neuen Halle will Roland Degner aber auch an Land den Küchenmarkt revolutionieren. Gemeinsam mit dem Unternehmen Mise en Place eröffnet er Gastronomiebetrieben einen Ausweg aus dem chronischen Mangel an Arbeitskräften. Hochautomatisierte Arbeitsprozesse sollen Personalaufwand, Zeit und Energie sparen – ohne Qualitätsverlust. 30 Prozent Ersparnis bei Wareneinsatz, Zeit und Energie seien zu erreichen, so Degner. Seit Anfang des Jahres sei die Vermarktung des Systems in der Versuchsphase. Bis Ende des Jahres soll diese Phase abgeschlossen sein. „Wenn der Neubau fertig ist, können wir dort bis zu 50 dieser Küchen im Jahr fertigen.“ Potenzielle Abnehmer gebe es viele, vom Sternekoch bis zum Landhaus, so Degner.


Die Megayacht-Köche oder die Vertreter künftiger Eigner können sich schon jetzt an den voll funktionstüchtigen Küchen in der Roland-Zentrale von deren Vorzügen überzeugen. Und auch das neue Küchensystem wird an der Steinbeeke für Schulungen voll funktionstüchtig aufgebaut werden.

Roland und Anke Degner leben seit 25 Jahren in Harpstedt, da lag es nahe, die Zentrale 2009 ebenfalls in die Samtgemeinde zu verlegen. Die jetzt begonnene Erweiterung bestätigt diese Entscheidung. Und Roland Degner lässt sie sich einiges kosten: Rund 1,6 Millionen Euro investiert er nur in das Gebäude. „Obwohl es eine Industriehalle ist, haben wir natürlich ästhetische Ansprüche. Es darf nicht zu pompös werden, aber alles muss perfekt verarbeitet sein“, sagt der Firmenchef. Mit 1600 Quadratmetern Fläche im Erdgeschoss und 800 im Obergeschoss vervierfacht sich die Betriebsfläche der Roland Manufaktur. Gebaut wird besonders energiesparend. Zehn Erdbohrungen mit je 150 Metern Tiefe versorgen das Gebäude mit Erdwärme, das Dach erhält natürlich eine Photovoltaikanlage.

Fehlt eigentlich nur ein kleines Restaurant, wo doch die Küche schon da ist. „Das wäre nur noch eine Kleinigkeit“, sagt Degner. Aber einen Gastronomiebetrieb lässt der Bebauungsplan der Stein­beeke nicht zu.