Bremen/Rhauderfehn - Kündigungswelle beim Deutschen Milchkontor (DMK/Bremen): Wohl vor allem aufgrund der niedrigen Milchauszahlungspreise 2016 drohen viele Milcherzeuger damit, den Molkereiriesen zu verlassen.
In Summe stehen bei DMK knapp 1,7 Milliarden Kilogramm Milch in Kündigung – gut 500 Millionen Kilogramm per Ende 2017 und knapp 1,2 Milliarden Kilogramm per Ende 2018, wie Unternehmenssprecher Hermann Cordes am Donnerstag auf Anfrage dieser Zeitung mitteilte. Das ist rund ein Viertel der aktuellen Verarbeitungsmenge von 6,7 Milliarden Kilogramm. Wie viele der mehr als 8300 aktiven Milcherzeuger bei DMK gekündigt haben, konnte der Sprecher noch nicht sagen.
„Wir bemühen uns um jeden Milchbauern“, sagte Cordes. „Wichtig ist, dass wir das verloren gegangene Vertrauen wieder zurückgewinnen und mit den Betrieben über eine Kündigungsrücknahme sprechen können.“
Eine Kündigung bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein Milcherzeuger seine Molkerei am Ende auch wirklich verlässt. Dem Vernehmen nach hat die Mehrheit der Betriebe, die beim DMK gekündigt hat, bislang noch keinen Vertrag mit einer anderen Molkerei abgeschlossen. Der Molkereiriese hatte bei seinen Lieferanten im Krisenjahr 2016 für besonders viel Frust gesorgt, weil seine Auszahlungspreise sowohl im regionalen als auch in bundesweiten Vergleich meist im unteren Bereich gelegen hatten.
Der neue DMK-Aufsichtsratschef Heinz Korte kündigte im Portal „top agrar“ an, dass bei sinkender Rohstoffbasis auch die Planungen in der Milchverarbeitung angepasst werden müssten. „Wertschöpfung statt Wachstum heißt die Zukunft von DMK“, sagte er. Als mögliche Maßnahmen nannte er den Ausstieg aus Verwertungen mit niedriger Gewinnmarge und den Verzicht auf weitere Fusionen mit Standardmolkereien.
Ottmar Ilchmann aus Rhauderfehn, Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Niedersachsen-Bremen, sprach angesichts der Kündigungswelle von einer „Bankrotterklärung der Molkereispitze mit dauerschlechten Milchpreisen“ und lobte zugleich das „mutige Handeln von Milchbauern und ihren Familien“. Er rief die Kündigungsbetriebe dazu auf, über eine Zusammenarbeit in einer Milcherzeugergemeinschaft nachzudenken.
